Abschiedsstück
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das Verhältnis zu Intendant Bernd Loebe zerrüttet sei. Hinzu kam, dass die für «Fidelio» vorgesehene Regisseurin Christina Paulhofer aus Krankheitsgründen ihre erste Opernarbeit noch vor Probenbeginn abgeben musste.
So geschah es, dass der Bühnenbildner Alex Harb mit der szenischen Realisierung des Konzeptes betraut wurde – eine Aufgabe, die ihn schlicht überforderte.
Dagegen besitzt Harbs karger, gelb leuchtender, auch zur Decke hin geschlossener Raum durchaus Entschiedenheit. Zwei Stühle, eine Metallbank in der Mitte – das ist alles. Auf der Bank kauert ein Mann mit Kapuze und Kopfhörern, in sich verkapselt brütet er vor sich hin: Es ist Florestan. Den ganzen Abend über ändert sich dieser Klaustrophie erzeugende Raum kaum, nur die Intensität des Lichts variiert. Harb freilich scheitert an der Aufgabe, das Gefangensein jedes ...
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Ein ungleiches Paar? Nicht wenige Opernkenner durchwehte, und doch recht bang, dieser Gedanke, als Birgit Nilsson und Giuseppe di Stefano im Juni 1961 gemeinsam auf die Bühne der Wiener Staatsoper traten, um die beiden Hauptrollen in Puccinis «Turandot» zu verkörpern. Hier die an Wagner und Strauss gestählte Heroine mit ihrer schier übermächtigen Stimme als...
Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plastikbahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
