Gespenstisch teilnahmslos
In dem Tenorschlager «Nacht überm See» versicherte Fritz Wunderlich einst das Techtelmechtel zwischen den Geschlechtern einer kosmischen Komplizenschaft: «Und der alte Mond lächelt weise, und ein Sternlein funkelt: Na, na!». Der Mond von Alabama ist aus diesem Pakt längst ausgestiegen. Absinthgrün und dumm lacht er über der Wüstenstadt Mahagonny. Jim, Jack, Bill und Joe singen das bei Kurt Weill auch so. Und in Vincent Boussards Inszenierung von «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» – da tut der Mond noch mehr: Er wirft ein Auge auf alles, was unten geschieht.
Aus dem Bruder der Liebenden ist ein Big Brother geworden, ein Totalüberwacher des industriell abgefertigten Waren- und Geschlechtsverkehrs. Man staunt nicht schlecht, in diesem Umfeld Bertolt Brechts Originalsatz der Witwe Begbick zu hören: «Jeden Abend vor dem Schlafengehen wünschen Sie Gin und Pfeffer». Sie weiß also über die Konsumgewohnheiten des Jim Mahoney schon Bescheid, bevor er sie geäußert hat. So wie heute Amazon den Kunden prophylaktische Drohnen mit begehrten Dingen schicken will, bevor sie bestellt wurden. Und was geschieht? Nichts. Wir nehmen es hin. Hier wie dort.
Brecht und Weills Oper war 1930 die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Jan Brachmann
Die Wiederentdeckung des Opernschaffens von Walter Braunfels hat mit der begeisternden Inszenierung seines Hauptwerks «Die Vögel» in Osnabrück gegenüber den vorausgegangenen Stationen seit der posthumen Uraufführung seiner «Jeanne d’Arc» in Berlin (siehe OW 8/2008) einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Regisseurin Yona Kim und der junge Osnabrücker GMD Andreas Hotz...
Ulm, Bregenz, Innsbruck, St. Gallen und jetzt Genf. Nehmen wir Bremen und Werner Schroeters kühnen Psychiatrieversuch aus, waren die Alpen stets in Sichtweite, wenn Alfredo Catalanis «La Wally» in den vergangenen Jahrzehnten zur Debatte stand. Das ist so naheliegend wie paradox. Naheliegend, weil der Ort der Handlung nicht fern ist. Der Ort, an dem sich das...
Vorerst läuft die Killerpartie für sie noch unter «Experiment». Zweimal zum Debüt, wie gerade absolviert, bei den Münchner Opernfestspielen, im Herbst folgt eine Serie an der Met. Immerhin ist das öfter als bei der Callas, die sich Verdis Lady Macbeth kein halbes Dutzend Mal live zugetraut hat. Und so überraschend ist das Wagnis bei Anna Netrebko nicht. Die Stimme...
