Seufzer und Wachsblumen
Es gibt, wie man weiß, die unterschiedlichsten Seufzer. Jene leichten, sehnsuchtsvollen, die «Schlittschuh auf nächtlichem Eis» laufen, wie Christian Morgenstern dies suggeriert. Jene anderen, tief befriedigenden. Und dann auch jene, die sich der Brust schwer entringen, weil sie einen Einschnitt bedeuten, eine Wende im Leben. Ottavia nimmt in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» auf diese Weise Abschied von Rom. Nikolaus Harnoncourt wollte dies nie gesungen haben, sondern gestammelt, fast erstarrt – als Ausdruck der Unfähigkeit, das Wort «addio» über die Lippen zu bringen.
In ihrem neuen Monteverdi-Album singt Magdalena Kozená das zwar, doch mit einem Ausdruck, der dem Hörer die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Interessant ist, dass sie sich in Dynamik und Agogik ansonsten sehr genau an die Vorgaben des Dirigenten beim Zürcher Monteverdi-Zyklus zu halten scheint.
«L’incoronazione di Poppea» bei den Wiener Festwochen 2000 bedeutete ja auch den internationalen Durchbruch für Magdalena Koze-ná – sie sprang für Anne Sofie von Otter ein, nicht als Ottavia freilich, sondern als Nerone, und unter Marc Minkowski. So ist dieses Monteverdi-Album so etwas wie eine Heimkehr der ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
In Osnabrück ist der «Lohengrin» Stadtgespräch. Kein Zweifel, das kleine Stadttheater hat Wagners Oper bravourös gestemmt. Schon logistisch ist der Abend beeindruckend. Weil der Graben nicht ausreicht, ist das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, und der auf 63 Sängerinnen und Sänger erweiterte Chor wird meist an die Seiten abgedrängt, ohne darum steif zu...
Hört man «Satanella», wird man an William Schwenck Gilbert and Arthur Sullivan erinnert – nur, dass hier wohl alles todernst gemeint ist. Oder doch eher nicht? Vielleicht auch tongue in cheek? Auf jeden Fall dürften Gilbert & Sullivan in diesem Stück genügend Material für ihre Parodien der viktorianischen Oper gefunden haben, das überraschende «Happy ending»...
Ist Karl Marx nicht mausetot? Die Sowjetunion – gescheitert. Maos China – Geschichte. Das Kambodscha der Roten Khmer – wo war das noch mal? Die Antwort kommt aus dem Publikum, das der Vorstellung hellwach folgt. Gleich am Anfang wird es von der Bühne aus einbezogen: «La-la-la-la», singt der Saal, und «Eins, tswej, draj, fir!» wird daraus der «Arbetlosen Marsch» des...
