Unentschlossen
Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren Generalintendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, setzt solche Zeichen gleich am Beginn ihrer Inszenierung für die Rheinoper in Duisburg: Zum Orchestervorspiel (der leider selten gespielten «Leonore»-Ouvertüre Nr.
1) stöckelt Annette Seiltgen im Video als attraktive Leonore über die lackierten Gänge der JVA Köln, um Florestan hinter Klappen und Gittern zu suchen. Gefunden wird sie selbst von der Kerkermeistertochter Marzelline, die den verkleideten Fidelio meint, aber in der androgynen Figur wohl auch die magische Gestalt erblickt, die sie aus dem spießigen Haushalt ihres Vaters Rocco (ohne Biss: Sami Luttinen) erlösen kann. Die Kraft der weiblichen Liebe sieht Amélie Niermeyer somit mehrschichtig: Sie gilt dem Staatsfeind Florestan, der auf der tiefsten Ebene vegetiert – und seiner Retterin, die von der verwöhnten Marzelline ...
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Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel...
Seit John Berry die künstlerische Leitung der English National Opera übernahm, scheint sich das Haus zu konsolidieren – nach vielen personellen Wechseln in der Verwaltung und einer langen Phase der Verunsicherung. Die finanzielle Situation ist so stabil wie lange nicht mehr und das Programm der Spielzeit 2008/09 zweifellos interessant (zwei Premieren stehen noch...
