Nur im Film zu sehen: Kirill Serebrennikov; Foto: Thomas Aurin
Ein Märchen von Hoffnung und Not
Dass ein Regisseur während der Produktion hinwirft oder erkrankt, kommt im Risikogeschäft Theater hin und wieder vor. Dass er die Arbeit gar nicht erst aufnehmen kann, weil er sich einem Justizverfahren ausgesetzt sieht, hat es wohl noch nie gegeben. Kirill Serebrennikov, der 2015 an der Oper Stuttgart eine sensationelle «Salome» inszenierte und 2016 an der Komischen Oper Berlin Rossinis «Il barbiere di Siviglia» herausbrachte, steht seit dem 23. August 2017 in Moskau unter Hausarrest (der unlängst bis zum 19.
Januar 2018 verlängert wurde) und darf mit niemandem außer seinem Anwalt sprechen. Das kommt bei einem Theatermann einem Berufsverbot gleich. Die russische Justiz wirft dem 48-jährigen, international renommierten Film-, Ballett-, Opern- und Theaterregisseur die Veruntreuung staatlicher Fördermittel vor – ganz offensichtlich ein Vorwand, um einen politisch unbequemen und offen homosexuell lebenden Künstler mundtot zu machen. Denn es ist nicht die erste Behinderung seiner Arbeit durch russische Behörden, ihr gingen eine Reihe von Einschüchterungsversuchen voraus. Der Stuttgarter Chefdramaturg und intime Russland-Kenner Sergio Morabito hat in der September/Oktober-Ausgabe dieser ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Uwe Schweikert
Natur, Heimat, Seele – vermintes Motivterrain, vor allem auch im Theater, das, was idealtypische politisch-kulturelle correctness betrifft, gerne ganz vorne an steht. Das macht die aktuellen «Freischütz»-Aufführungen auch so interessant und überraschend: Man kann sich im Voraus kaum so recht ausmalen, was sich die szenografischen Interpreten wieder ausgedacht...
Es ist nicht eben die beste aller theatralen Welten, die Leonard Bernstein und sein Librettistenteam mit «Candide» auf die Bühne stellen: Das Stück ist undramatisch, episch, besteht aus einer Folge aneinandergereihter Bilder, die durch erklärende Sprechtexte miteinander verknüpft werden. Also eigentlich die ideale Vorlage für eine konzertante Aufführung – so, wie...
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von...
