Augenzwinkernd

Colin Davis lässt dreizehn Jahre nach seinem ersten «Falstaff» eine Neuaufnahme folgen

Opernwelt - Logo

Das Orchester als Dialogpartner. Es wird zum wahrhaft verschmitzten Diskutanten. Schüttet Spott und Ironie über den Saiten aus, Schalk stiebt aus Flöten und Blech. Verdis «Falstaff» kann für ein Orchester im bes­ten Fall zur schmucken Visitenkarte geraten, aber auch, im schlimmsten Fall, zum kollektiven Offenbarungseid. Das London Symphony Orchestra hat sich im Jahr seines 100. Geburtstags ein eigenes Geburtstagsgeschenk bereitet – den Mitschnitt einer konzertanten «Falstaff»-Aufführung, veröffentlicht in der orchestereigenen Reihe «LSO live».


Die Londoner sind in bester Spiellaune. Sie verleihen der Partitur ein Eigenleben, unterstützt durch eine famose, weil gleichermaßen direkte wie transparente Aufnahmetechnik. Wenn von «Falstaff» und einem kreuzfidelen Orchester die Rede ist, fällt der diskographische Blick sofort auf die Wiener anno 1966 unter Bernstein. Gut, die philharmonischen Streicher erzeugen Seidentöne, die Holzbläser blasen feinste Klangwölk­chen. Doch darf sich diese von Colin Davis geleitete Aufnahme durchaus damit messen lassen, zumindest über weite Teile. Sie besticht durch Pfiff und Rasanz und, vor allem, durch eine geschlossene Mannschaftsleis­tung. Hier spielt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Platten, Seite 59
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Aufschwung

Die Stadt der Brauereien am Rand des Reviers, die in die nichtindustriell geprägte Landschaft Westfalens hineinlappt – sie besitzt ein Theater mit Geschichte. Vor einhundert Jahren wurde es eröffnet. Seit 1887 gibt es bereits das Philharmonische Orchester. Hier arbeiteten so namhafte Dirigenten wie Wilhelm Schüchter, Hans Wallat, Klaus Weise oder Marek Janowski....

Verdi: Don Carlo

Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichts­lose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...

Ein Jung-Siegfried nach Maß

Auch wenn es gegenüber dem Produktionsteam und ­allen anderen Mitwirkenden ungerecht ist, der neue «Siegfried» an der ENO (English National Opera) ist vor allem wegen des Protagonisten bemerkenswert: Ri­chard Berkeley-Steele bewältigt die Monsterpartie nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern er bietet dem Publikum das äußerst seltene Ereignis, in Körpersprache,...