Bloß keine Schicksalswolken
Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett. Er wolle das Thema auf italienische Weise angehen, nämlich «con passione disperata».
Das hat er dann auch getan, freilich noch nicht mit jener Präzision von Stimmungsvaleurs und psychologischer Feinzeichnung, die ihm schon kurz darauf bei «La Bohème» zu Gebote stand. Überhaupt ist der Vergleich verblüffend. Wer den ersten Akt von «Manon Lescaut» hört, kennt automatisch auch den zweiten Akt von «La Bohème» – und umgekehrt. Viel Chor zwischen Deklamation und melodischer Umarmung. Heiteres Volkstreiben als Folie für einen sich anbahnenden privaten Konflikt. Die klingenden Gesten sind exakt dieselben. Die Tempokontraste, die instrumentalen Pointen. Nur dass im früheren Stück alles unschärfer bleibt, den Interpreten überlassen. Man könnte auch sagen: In der «Bohème» schreibt Puccini dasselbe Stück noch einmal, aber genauer. ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Man könnte sich die Haare raufen: 1979 wurde in einem Auktionskatalog ein Albumblatt Verdis reproduziert, ohne dass dies irgendeinem Verdi-Forscher aufgefallen wäre – bis heute. So fehlt die Miniatur aus dem Jahr 1877 in allen Werkkatalogen, auch in dem 2013 erschienenen «Verdi Handbuch» – ein Grund mehr, es sich wenigstens nach dem Verdi-Jahr genauer anzuschauen.
D...
Wie soll man heute die fern gerückte Geschichte der Medea erzählen? Kindsmord durch die eigene Mutter findet heutzutage überwiegend in prekärem Milieu statt, als Ursachen für die Kindesmisshandlung mit Todesfolge werden zumeist Verwahrlosung und Überforderung ausgemacht. Also eher nicht jene rasende Rache aus Eifersucht, von der der antike Medea-Mythos erzählt....
Es war eine schöne, aufregende Zeit: Ich gehörte nun richtig zu einem andauernd Musik produzierenden Betrieb, konnte Opernproben und -aufführungen besuchen, so viel ich wollte. In der Kantine unterhielt ich mich mit Orchestermusikern und ließ mich über Ventile, Griffe, Bogen- und Atemtechniken belehren, dankbar für jeden Rat, jede neue Lektion.» 1950 wurde der...
