Stille Suche nach Wahrhaftigkeit
Lorraine Hunt Lieberson war durch und durch Musikerin. Sie hatte Bratsche und Gesang studiert, spielte im Orchester, trat in einem Chor auf – und ergriff ihre Chance, als Peter Sellars 1985 einen Sesto für seine legendäre Inszenierung von Händels «Giulio Cesare» suchte. Im «Opernwelt»-Interview, das wir im Sommer 1997 in Berlin führten (siehe OW 10/97), erinnerte sie sich an die erste Begegnung mit Sellars, der für ihre weitere Karriere prägend werden sollte. Die Intensität der Zusammenarbeit habe sie als ein aufregendes Abenteuer erlebt.
Schon damals zeichnete sie eine seltene Bescheidenheit aus. Lorraine Hunt Lieberson war so gar nicht prätentiös, Medienaufmerksamkeit, Image, Ruhm interessierten sie nicht. Sie wollte Kunst machen, wollte Musik entdecken, wollte mit ihrer Stimme und ihrer Darstellungskraft Dinge ausdrücken, die sie bewegten. Nicht mehr, nicht weniger. Sie sprach leise, ruhig, sehr konzentriert, direkt und klar. Eine elegante, eine schöne Frau auf der Suche nach Wahrhaftigkeit. Eine Frau, die erzählte, wie sie als Twen in Mexiko Gefängniswärter bestochen habe, um für ein paar Tage mit ihrem damaligen Freund, der wegen Drogenbesitzes verhaftet worden war, in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Arnold Schönbergs Opus magnum über das jüdische Volk, komponiert 1930/31, bevor der Komponist – selbst Jude – vor den Nationalsozialisten floh und nach Amerika emigrierte, ist das seltene Beispiel einer philosophischen, streng zwölftönig komponierten Oper, die gleichwohl unmittelbar packen kann. Vorausgesetzt, das Konzept trifft nicht nur den Kern des Stücks, die...
Nach dem großen Erfolg der Uraufführung von Axel Nowitz’ «Bestmannoper» (siehe OW 6/2006) machte das Theater Osnabrück mit Janáceks «Jenufa» ein zweites Mal mit Nachdruck darauf aufmerksam, welcher Stellenwert dem Musiktheater an diesem Haus unter der neuen Intendanz zukommt. Gegeben wurde die von allen Retuschen späterer Bearbeiter befreite Brünner...
Zwischen «heroischer Komödie» und «trauriger Operette» – Philipp Himmelmanns Bremer Bühnenrealisierung zeigt, getragen von Hermann Feuchters Bild- und Gesine Völlms Kostümentwürfen, viele Facetten des «Don Quichotte»: Die parodistisch auftrumpfende Farbigkeit der Szenen um Dulcinée, den in strenger Schwarz-Weiß-Manier gehaltenen Kampf mit den Windmühlen, den...
