Editorial
Wien liebt, ehrt, achtet, pflegt seine große Musikvergangenheit. Sagt man. Liest man in Reiseführern. Gilt als communis opinio. Stimmt’s auch? Nach einer angemessenen Gedenkstätte für den wichtigsten aller Staatsoperndirektoren, für Gustav Mahler, kann man lange suchen. Eine mickrige Tafel an dem Haus, von dem aus er jahrelang zum Arbeitsplatz ging, um mit Alfred Roller den Komplex «Opernaufführung» völlig neu zu gestalten, ist doch ein bisschen wenig.
Die Restmöbel aus dem Nachlass von Brahms wurden ins Hinterzimmer des Haydn-Hauses verbannt, was Musikhistoriker als Augenzwinkern werten können, museumspädagogisch aber eine Katastrophe ist. Und die anderen, die bespielbaren Museen?
Dort, wo einst Schikaneder den Spielplan bestimmte, wo «Fidelio» und «Die Fledermaus» uraufgeführt wurden und in der Nachkriegszeit Josef Krips das legendäre Mozart-Ensemble polierte, da fristeten in den letzten Jahren «Cats» ihr normiertes Musical-Dasein und Sissy sollte im gleichen Genre für Großeinnahmen sorgen. Schluss damit. Wien hat seit kurzem ein drittes Opernhaus: Plácido Domingo dirigierte die Inaugurationsgala, Thomas Quasthoff sang die Leporello-Arie, Tzimon Barto spielte am Klavier die ...
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«Einstweilen (...) singe ich unter anderem gar oft und mit unaussprechlichem Vergnügen die Partie des Oedib in der Musik von Sacchini. Sie ist bei uns (in Berlin) gegeben worden, wie man mir gesagt hat, und hat wenig Beyfall gefunden; gewiss nur bey denen, die es nicht verstehen, innere Schönheiten eines Kunstwerkes durch eine fehlerhafte Exekution durchzufühlen;...
Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen,...
Ein (fast) leeres Bühnenhaus mit Hunderten kleiner Glühbirnen als schwebendem Himmel und einer Zugstange zum Sitzen, Schaukeln, Hangeln und Anlehnen; die Zuschauer auf einer Tribüne über dem Graben; zehn Musiker (mit Originalinstrumenten!) seitlich auf einer Empore; engagierte, musikalische Sänger; eine prägnante Regie und die präzise, lebendige, ausnehmend...
