Zwischen Stil und Style

Das erste Solorecital von Marijana Mijanovic

Opernwelt - Logo

Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert.

Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio Cesare» im Theater an der Wien, und die Zögerlichkeit der Titel­figur in der einnehmenden Gestalt von Marijana Mijanovic mag wohl an Christof Loys Regie gelegen haben, die aus der theatra­lischen Vielfalt dieses Stücks die Ebene der Melancholie herauspräparierte. Doch blieben Zweifel, die auch das nun erschienene Händel-Recital der serbischen Altistin nicht aus dem Weg zu räumen vermag.
Als Marijana Mijanovic vor sieben Jahren unter William Christie beim Festival in Aix-en-Provence als Penelope in Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» debütierte, überschlugen sich Presse wie Publikum. Ihre Interpretationen von Partien Monteverdis, Händels und Mozarts galten als sensationell, man las von enormer Expressionsbreite bis hin zum Ausdruck bewegendsten Schmerzes. Speziell ihr androgynes (mich ein wenig an Jochen Kowalski ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: CDs, Seite 52
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lebendiges Museum

Als Manfred Beilharz in den siebziger Jahren seine Intendantenlaufbahn in Tübingen begann, bäumte sich d’Alberts nach 1945 schon tot geglaubte «Tiefland»-Oper gerade noch einmal auf. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden zeigte damals eine Produktion mit Hermin Esser und Liane Synek in den Hauptpartien. Heute ist Beilharz Intendant in Wiesbaden – und klopft das...

Modellcharakter

Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gas­tes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie er­öffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen...

Aus ferner Zeit

Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweine­hund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand...