Szenisch verschenkt
Knuddelig schauen sie aus, die drei Bernhardiner! Sie tragen zwar Prothesen, doch schließen wir sie deswegen umso inniger ins Herz. Leider sind die fantastischen Drei nicht echt, sondern nur Einrichtungsgegenstände, uns vage bekannt aus Haushalten von Zeitgenossen, die viel Geld und wenig Geschmack haben.
Wollte Regisseur Mariano Pensotti damit auf die «herrschende Klasse» verweisen, deren Privilegien er im Programmheft ebenso geißelt wie das «System juristischen Unrechts» und die Zurichtung des «weiblichen Körpers als Schlachtfeld» durch das Patriarchat? Dann hätte er nicht nur die falsche Rasse gewählt. Denn in Alberto Ginasteras 1971 uraufgeführter, letzter Oper symbolisiert das Hundegebell namenloses Grauen. Wer diese Kreaturen unbedingt auf die Bühne bringen muss, sollte wenigstens Dobermänner nehmen, wie es vor drei Jahren Alejandro Tantanian in seiner meisterlichen Inszenierung am Teatro Colón in Buenos Aires getan hat. Wirklich nötig ist es allerdings nicht, birgt doch schon Ginasteras Partitur all den Horror eines Sujets, das die Knechtung und Vergewaltigung der jungen Beatrix durch ihren Vater zum Inhalt hat, samt Rachemord und finaler Hinrichtung, begleitet von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
Verkaufte Bräute, wohin das Auge schaut in Wagners Musikdramen. Eva, Elisabeth, Senta, Elsa, sie alle sind (vom Schicksal?) dazu auserkoren, meistbietend an (gerne fremde) Männer verschachert zu werden. Besonders schlimm trifft es Sieglinde, die Mutter des ersten freien Helden. Noch bevor sie überhaupt weiß, was Freiheit bedeuten könnte, wird sie dieser Freiheit...
60. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752322
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opernw...
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist....
