Anti-Held in Gold
Da ist nachgedacht worden. Man merkt es dem Programmbuchgespräch an, dass Regisseur David Pountney über die komplizierte Editionslage von Alexander Borodins «Fürst Igor» Bescheid weiß. Denn: Verworren ist das Wenigste, was man darüber sagen kann. Gerade mal 185 der 710 Partiturseiten sind O-Ton-Borodin. Mindestens 60 Prozent der Fassung, die Nikolai Rimsky-Korsakow und Alexander Glasunow 1888 erstellten, war von ihnen orchestriert, wenn nicht gar aufgrund von Skizzen komponiert.
Was jetzt in der Zürcher Koproduktion mit Hamburg zu hören ist, basiert auf den Forschungen des russischen Musikologen Pavel Lamm, deren Früchte wiederum von dem britischen Dirigenten David Lloyd-Jones bearbeitet wurden. Zwei Einschübe existierten nur für Klavier. Sie wurden eigens für diese Wiedergabe von dem russischen Komponisten Dmitri Smirnov instrumentiert. Die Szenenfolge stimmt mit der überein, die Valery Gergiev für St. Petersburg festlegte und 1993 dort auch aufnahm: Der bisherige zweite (Polowzer) Akt rangiert vor dem bisherigen ersten in Putiwl. Das ist dramaturgisch vernünftig, wenngleich nun die musikalischen Höhepunkte sehr früh kommen.
Vladimir Fedoseyev ist der rechte Mann für diese Musik. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heinz W. Koch
Es ist ein ganz seltsames Stück. Einerseits politische Oper, andererseits humorvoller Kommentar eines bedeutenden historischen Ereignisses. Ernst gemeintes Pathos wechselt mit luziden Passagen. Dazu kommt ein redundanter Tonsatz mit großflächigen, repetitiven Mosaiken und darin eingesponnenen, vorwiegend feinen Kantilenen. Stofflicher Dreh- und Angelpunkt des...
Den Ruhm, der ihm als Erzähler schon zu Lebzeiten zuteil wurde, hätte Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lieber als Komponist geerntet. Aber dieses Glück blieb ihm versagt. Heute wissen auch fortgeschrittene Musikliebhaber oft nicht, dass er Opern geschrieben hat. Seine 1816 in Berlin uraufgeführte «Undine» wurde in unserer Zeit vereinzelt gegeben, meist in...
Lange Zeit gehörte Antonin Dvoráks «Rusalka» nicht gerade zu den Stützen des Repertoires. Das als zweite tschechische Nationaloper geltende Werk ist nicht leicht auf die Bühne zu bringen. Zeitgleich mit Debussys «Pelléas» entstanden, thematisiert «Rusalka» Naturmotive ungleich naiver, märchenhafter und überhöht sie zugleich ins Mystische. Nachdem Jossi Wieler und...
