Sul fiato

Maria Bengtsson singt Lieder von Richard Strauss

Opernwelt - Logo

In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als undinenhaftes Naturwesen, keiner gesellschaftlichen Abmachung verpflichtet. Stimmlich war sie indes eher eine Schwester der Sophie.

Ein Eindruck, den man auch beim Anhören ihres neuen Strauss-Albums erhält.

Auch hier beginnt sie übrigens mit einem optimistischen Lobpreis der Natur: «Herr Lenz springt heute durch die Stadt in einer blauen Hose ...». Das hat Witz, fast kabarettistischen Touch. Doch die Dramaturgie dieses 23 Lieder umfassenden und manches Schmankerl bietenden Recitals nimmt sich des ganzen Lebens an, von der Wiege («Meinem Kinde») bis zur Bahre («Sie trugen ihn auf der Bahre bloss», «Ruhe meine Seele»).

Natürlich profitiert Bengtsson davon, dass Richard Strauss mit einer kapriziösen Sopranistin verheiratet war, die er auch im Liedbereich ins Zentrum theatralischer Aufmerksamkeit rücken wollte – und so zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Schießen Sie nicht auf den Pianisten

Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf...

Vielstimmig

In der Krise schärft sich das Bewusstsein fürs Eigene, auch in Europa: Nichts ist mehr selbstverständlich, Autokraten von Außen und Rechtspopulisten von Innen arbeiten an der Zerstörung der Union. Zugleich sind die Europäer – früher durch koloniale Ausbeutung, heute durch unfaire Handelsverträge – mitschuldig daran, dass die Situation in vielen Ländern desolat...

Verdichtet und vertieft

Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias...