Höllenarbeit
In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie.
Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig auch Janáčeks «Schlaues Füchslein», weshalb sich mancher Theaterchef wundert, dass nicht selten nach der offiziell anberaumten Orchesterprobenzahl noch Chaos herrscht – man hatte offenbar mit einer leichtbeschwingten Partitur im Gusto von «Peterchens Mondfahrt» gerechnet. In Wirklichkeit gehört das «Füchslein» zu allen erwähnten Typen-Kategorien, betrüblicher Weise aber nicht zu den Kassenschlagern. Eine vorösterliche Aufführung der anspruchsvollen (pausenlosen) Hagener Arbeit zeigte 40 Prozent Platzausnutzung.
An diesem Haus war man sich bewusst, was Einstudierung und Präsentation des Werks bedeuteten. Intendant Francis Hüsers, als Produktionsdramaturg beteiligt, sprach in der Einführung am Abend von einer «Höllenarbeit», die vor allem die musikalische Vorbereitung erzwinge. In der Tat traf das Orchester unter der Leitung von ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Hans-Klaus Jungheinrich
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian),...
Es lebt sich anscheinend nicht allzu unangenehm auf einer verlassenen Insel. Gut, einige Büschel getrockneter Gräser und etwas Tigerfell sind den Damen nach 13 einsamen Jahren über die Roben gewachsen. Aber das Unzivilisierte bleibt noch immer zivilisiert, ebenso wie sich Felsen und Wälder in geordneten Bahnen zur klassischen Gassenbühne staffeln. Wir sind...
«Die Ausflüge des Herrn Brouček» gehören zu den selten gezeigten Meisterwerken Janáčeks. Und zwar deswegen, weil die 1917, unmittelbar vor «Katja Kabanowa» entstandene Oper nicht als solches gilt. Begründet wird das Urteil mit dem chaotischen Libretto, an dem mindestens vier Autoren beteiligt waren, unter ihnen auch der Komponist; schon die literarische Vorlage ist...
