Misstöne in Arkadien
So schlimm, wie das Gemälde auf dem Cover nahe legt, kommt es in Domenico Cimarosas im Revolutionsjahr 1789 für den Petersburger Hof komponierter «Cleopatra» nicht. Die Königin hat hier noch keine Veranlassung, sich die Natter an die Brust zu legen, denn vorläufig geht ja alles nach ihren Wünschen.
Ferdinando Morettis Libretto hat mit Shakespeares Tragödie nicht viel im Sinn – da wird zwei Akte lang geseufzt, gestritten und geturtelt, ohne dass die Handlung dabei vorwärtskommt.
Antonius, der sich gegen die anrückenden Truppen seines Konkurrenten Octavianus wappnen muss, ist in Liebesbanden gefangen und kann vor der Alternative «Braut oder Weltreich» zu keiner eindeutigen Entscheidung gelangen. Cleopatra, von allen als zweite Venus bewundert, sieht die Sache einfacher: Entweder er bleibt bei ihr oder sie bringt sich um. Am Ende schafft die Liebe einen Kompromiss: Sie ziehen gemeinsam in die Schlacht wie in eine Sommerfrische. Als ihr Schiff ausläuft, besingt der Chor den heiteren Himmel und das ruhige Meer, das von Zephiren sacht bewegt wird.
Eine Oper kann man dieses höfische Divertimento nicht nennen, das die irreführende Gattungsbezeichnung «Azione teatrale» trägt. Dass beide ...
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Wenn man aus den großen Fenstern seines Hauses am Elbhang von Loschwitz nach Dresden hinüberschaut, hat man zwischen den hohen Bäumen zwei Pole seines Schaffens gerade im Blick: die Kreuzkirche und die Semperoper. Theo Adam, der am 1. August seinen 80. Geburtstag feiert, erhielt seine musikalische Grundausbildung im Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger, und...
Wer hätte das gedacht? Da thematisiert ein Regisseur dezent, aber unübersehbar das Dritte Reich in einer Oper, die vorderhand nichts damit zu tun hat, und es macht, unabhängig von der realen Verstrickung des Komponisten Richard Strauss mit der Nazi-Diktatur, tatsächlich Sinn. Und wer hätte gedacht, dass der heldisch-euphorische Schluss von «Ariadne auf Naxos» auch...
Im niederschlesischen Wroclaw, zu dem man wieder Breslau sagen darf, ohne als Revanchist verdächtigt zu werden, steht ein luxuriös restauriertes Opernhaus, samtweich und goldglänzend. Aber weil sich die Handwerker auch nach der offiziellen Eröffnung noch ungebührlich viel Zeit lassen, weicht die Intendantin weiter aus. An den verrücktesten Orten hat sie schon...
