Emotionaler Hochdruck
Andernorts werden Theater geschlossen, Heidelberg eröffnet ein neues und besitzt mit dem großzügig sanierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert sowie dem sachlich-kühlen Neubau mit 512 Sitzplätzen jetzt gleich zwei technisch hervorragend bestückte Räume, um die viele Kommunen die Universitätsstadt am Neckar beneiden werden.
Besichtigt man das von den Darmstädter Architekten Waechter elegant durch eine einheitliche Fassade verbundene Areal, so muss man der Stadt bescheinigen, dass die nicht einmal übermäßig hohen Baukosten von 64 Millionen Euro – davon fast ein Drittel durch Spenden von Mäzenen und Sponsoren gedeckt – gut angelegt sind. Die Theatermacher selbst ließen sich nicht lumpen und organisierten am Nachmittag als spektakuläres Eröffnungsfest einen ganz im Zeichen John Cages stehenden Umzug durch die Altstadt – rund 600 Mitwirkende in 40 Formationen –, bei dem Blockflöten und Schlagwerk, Posaunenchor und Gesangsvereine, Bigband und Sufi-Musiker im Verein mit den Martinshörnern von Polizei und Feuerwehr anarchisch in-, gegen- und miteinander tönten. Am Ende dieses Chaos von Klängen und Geräuschen stand das gemeinsame Unisono aller Mitwirkenden im gesammelten Schweigen von Cages ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Uwe Schweikert
Es nahm sich aus wie ein besonders pointierter Regieeinfall und war doch nur dem Leben und seiner manchmal bitteren Realität geschuldet: eine Emilia Marty im Rollstuhl. Die alternde, mehr als 300-jährige Sängerin auf der Jagd nach dem Rezept für die ewige Jugend, gezeichnet als morbide, vom Verfall bedrohte Frau. Aber des Rätsels prosaische Lösung zeigt andere...
Prima la musica, poi le parole? Das Verhältnis von Musik und Sprache hat schon Antonio Salieri auf der Bühne behandelt – in seinem gleichnamigen Divertimento, das 1786, gleichsam als dramaturgisches Statement zur damals virulenten Singspiel-Debatte, mit Mozarts Schauspieldirektor in der Orangerie von Schloss Schönbrunn uraufgeführt wurde. Richard Strauss gönnte...
Sie können es nicht lassen. Von der Bühne sind sie schon lange abgetreten, aber selbst auf dem noblen Altenteil in einem englischen Landhaus giften die Primadonnen munter weiter. Doch sonst hat Regie-Debütant Dustin Hoffman (75) seine Filmkomödie über ein Domizil für pensionierte Musiker und Opernsänger (Beecham House) in nostalgisch-mildes Sommerabendlicht...
