Hindemith: Cardillac
Man muss nicht – wie Jean-Pierre Ponnelle in seinem auf DVD dokumentierten Münchner «Cardillac» von 1985 – den filmischen Expressionismus als Konzept wählen, um die Zwanzigerjahre-Vertonung der E. T. A.-Hoffmann-Erzählung von einem Goldschmied, der sich seine geliebten Geschmeide mittels Mord von den Käufern zurückholt, schlüssig zu erzählen.
Und gewiss hätte sich aus der Idee von Jörg Behr (Regie), Marc Weeger und Silke Willrett (Bühne und Kostüme), einen modernen Verkaufsraum mit geheimnisvoll beleuchteten Vitrinen für wertvolle Preziosen zum Zentrum der Oper zu machen, ein spannender Abend entwickeln können. Doch statt das Wagnis eines Einheitsraums zwischen tagheller Öffentlichkeit und nächtlichem Versteck eines schizophrenen, besitzergreifenden Künstlers einzugehen, wurden auf beständig sich bewegender Drehbühne auch die angrenzenden, rätselhaft möblierten Privaträume Cardillacs diffus bespielt.
Weder fand der Regisseur für den getriebenen Goldschmied (sehr differenziert gesungen von Mark Morouse) ein charakteristisches Repertoire an Gesten und Bewegungen noch für die übrigen Solisten. Sally du Randts sonst so überzeugende Bühnenpräsenz fehlte, musikalisch war sie mit ihrer ...
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