Starke Frauen
Wolfgang Sawallisch war, das ist angesichts seiner legendären Wagner- und Strauss-Aufführungen in Vergessenheit geraten, ein brillanter Mozart-Interpret. «Così fan tutte» gelang ihm am besten: mit einer kühlen Eleganz, die dem Marivaux-Sujet optimal gerecht wurde und gleichzeitig mit der atmenden Emotionsintensität, die Mozart ihm hinzufügt. Auch als er im Juli 1973 die Rennert-Premiere von «Don Giovanni» leitete – es war die erste von Mozarts Oper im wiederaufgebauten Münchner Nationaltheater – gelang alles auf eine unspektakuläre Weise richtig.
Zwar hat dieser Mozart-Stil nichts mit dem zu tun, was man heute «Alte Musik» nennt, trotzdem stimmt jedes Tempo. Das Bayerische Staatsorchester spielt mit rhythmischer Agilität, es herrscht (wie oft bei Sawallisch) ein vorwärtsdrängender, gleichwohl in den Proportionen genau abgewogener Grundduktus. Elegant sind Holzbläser und Streicher aufeinander bezogen, nehmen Nuancen voneinander ab.
Wie genau Sawallisch die Tempi trifft, zeigt exemplarisch Zerlinas «Batti, batti»-Arie – im ersten Abschnitt flott und (der Situation entsprechend) unruhig, im Sechs-Achtel-Teil nur leicht gesteigert, eher zusammengerafft. Keine Unklarheiten, keine ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Stephan Mösch
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