«Es ist ein Spiel, aber ich nehme es ernst»

Javier Camarena ist nach Luciano Pavarotti und Juan Diego Flórez der einzige Tenor, dem an der Met ein Da capo gestattet wurde. Im Belcanto-Fach macht dem gebürtigen Mexikaner derzeit kaum einer was vor: Für den 38-Jährigen scheint Singen das Einfachste der Welt zu sein

Opernwelt - Logo

Sie geben ein Interview, dabei müssen Sie gleich auf die Bühne. Macht es Ihnen nichts aus, jetzt noch so viel zu sprechen?
Mich kümmert das nicht so. Ich habe mir eine positive Form der Routine ­angewöhnt. Ob Vorstellung oder Probe: Ich versuche, den Tag so normal wie möglich zu gestalten und mich nicht verrückt zu machen.

Wie sieht bei Ihnen denn ein Vorstellungstag konkret aus?

Normalerweise schlafe ich so lange wie möglich. Es gibt ein spätes Frühstück und ungefähr vier Stunden vor der Vorstellung ein Mittagessen.

Dann versuche ich, ganz entspannt zu sein, gehe einfach ins Opernhaus. Der Tag läuft nicht extrem anders ab als sonst. Und so etwas wie Aberglaube oder Rituale suchen Sie bei mir vergeblich.

Also ist es doch ein Tenorklischee: Schal um den Hals, den Mund halten …

Das hängt davon ab, wie man seine Sprechstimme benutzt. Ich spreche normalerweise recht tief, das könnte auf Dauer schon anstrengend sein. Deshalb wechsle ich, um mich zu schonen, im Laufe des Tages in die «Sing-Einstellung» – ohne dabei gleich wie ein Klischeetenor zu klingen. Extrem nervös bin ich eigentlich nicht, es sei denn, ich habe mir eine neue Rolle vorgenommen. Aber überlegen Sie mal: Wir verbringen so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Interview, Seite 34
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Flüchtig wie ein Schmetterling

Wer nach unerhörten Klängen, nach progressiven Techniken sucht, wird in «Anna Karenina» nicht fündig werden: Thomas Kürstners und Patrick Vogels Partitur für das Bremer Theater fällt in jene Kategorie von Neuschöpfungen, in denen aus der vollen Vorratskammer der jüngeren Musikgeschichte alles Mögliche zusammengeworfen wird. Janácek und Schostakowitsch, Britten und...

Streber!

Wer Thomas Hampson mag, wird ihn nach der Lektüre dieser Biografie noch sympathischer finden, diesen all-American boy aus Washington State, Jahrgang 1955. Hampsons Vater war Nuklearchemiker, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und der Held seiner Kindheit. Als Schüler lernt er Trompete, Schlagzeug, Tuba, erhält Gesangsunterricht bei einer Nonne, entscheidet...

Familienbande

Unterwegs in Londons «Tube» – nach der Premiere von Mozarts «Idomeneo» an Covent Garden – bleibt unser Blick zufällig an einem kuriosen Plakat hängen, einer Werbung der «London Sperm Bank». Wie Pappkameraden sind die Silhouetten von Männern aufgereiht, jeder mit einem Label: teacher, actor, model, lawyer etc. Samenspender zum Ankreuzen; Nachwuchs-Design ohne...