Händel: Ariodante
Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ariodante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren Rollenporträts barocker Wackermänner gelingen können.
Mit gutturaler Pracht, schwerblütig, aber schön in der emotionalen Tiefenschau hält Kasarova Einkehr in die schottische Ritter-Soap.
Die Stimme hat leichte Rüstung angelegt. Etwas steife, wie aufgespießt wirkende Spitzentöne und Kurzstrecken-Portamenti zwischen Halbtönen dicken den Fluss der Gefühle an. Mit wunderbarem Kamillenton lindert sie dann wieder die Merkwürdigkeiten des undurchsichtigen Plots. Sie kann trumpfen, träumen, sich versenken.
Noch immer baumeln in Achim Freyers aus Frankfurt übernommener Inszenierung die Marionetten-Beinchen vom Latz der zu Puppen verzwergten Sänger. Freyers Version traut dem Stück keinerlei dramatische Differenzierung zu. Sie hat mit Spitzensängern wie Steve Davislim (Lurcanio), Ofèlia Sala (Ginevra) und Elena de la Merced (Dalinda), die ...
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