Beim Wort genommen

Hommage an Schikaneder: René Jacobs mischt Mozarts «Zauberflöte» auf – mit Marlis Petersen als Pamina

Opernwelt - Logo

Für die «Zauberflöte» hat sich René Jacobs viel Zeit genommen. Papageno, Pamina & Co., so schien es, lagen außerhalb der Reichweite eines Musikarchäologen und Dirigenten, dessen interpretatorische Fantasie sich eher aus dem Geiste Monteverdis und der Seria speiste. Das belegen nicht zuletzt seine legendären Exegesen von Mozarts «Figaro», «Così» und «Don Giovanni», zuletzt des «Titus» und «Idomeneo» – Aufnahmen, die uns die Ohren öffneten und den Sinn schärften für nie gehörte Farben und Nuancen.

Nun also die «Zauberflöte».

Wieder gelingt es Jacobs, uns mit einer Materie zu überraschen, die vermeintlich längst bis ins feinste Molekül durchleuchtet ist. Ausgangspunkt des jüngsten Angriffs auf tradierte Hörmuster ist das viel bekrittelte Libretto Emanuel Schikaneders; und ein flammendes Plädoyer, dessen Dialoge endlich ernst zu nehmen. Jacobs begreift den Text als Dokument eines mit dem Florett intelligenter Unterhaltung fechtenden Aufklärers, der jedes Wort auf die Waagschale gelegt hat. Die Initiationsgeschichte Taminos und Paminas, ihre Prüfungen in der Priesterwelt, der straßenschlaue Witz Papagenos, das paradoxe Drama des Monostatos, kurzum: der altägyptisch-mythisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Medien / CD, Seite 31
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Herzschmerz

Am Ende durfte er sie doch noch in die Arme schließen. Drei Akte lang hatte Angela Gheorghiu auf der Konzertbühne der Deutschen Oper als Cileas Adriana Lecouvreur die unnahbare Diva gegeben. In stahlgrau schimmernder Robe, mit manierierter Gestik und extrovertierter Stimme. Die dunklen Töne der Verzweiflung, das Höhenfeuer der Eifersucht, das zum Ausdrucksmittel...

Editorial

Plötzlich ging es schnell. Keine Woche nachdem die Münchner Kulturpolitik (samt Machtkämpfen und einzelnen Produktionen der Staatsoper) in der Kritikerumfrage der «Opernwelt» als «Ärgernis des Jahres» gewertet wurde, traten Kunstminister Wolfgang Heubisch und Intendant Nikolaus Bachler vor die Presse. Bahnhof für den neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen...

Surreal

Es ist ein starkes Bild, das haften bleibt: Ein schier nicht enden wollender Menschenstrom hastet an einer riesigen Uhr vorbei, deren Zeiger sich viel zu schnell und rückwärts drehen. Wo sind wir? Was bedeutet das? Die Szene steht beispielhaft für das, was sich in den 18 Szenen mit Prolog und Epilog von Michael Obsts Stück «Die andere Seite» abspielt. Rund 100...