An der Oberfläche
«Wir fragen uns heute, wie es möglich sein kann, anders zu arbeiten.» Mariame Clément, die junge franco-iranische Regisseurin, die seit ihren Debüts in Biel, Lausanne, Bern, Lübeck und Straßburg mit einer Überfülle an Einfällen, kleinen Geschichten und feinen Assoziationen auffällt, hat in ihrer kurzen Karriere bisher meist mit der Ausstatterin Julia Hansen zusammengearbeitet. Die gegenseitige Befruchtung, die sich etwa am Zusammenspiel von Kostümdetails und präzise darauf abgestimmter Gestik offenbart, haben Clément und Hansen in bestechender Weise kultiviert.
Der erzählerische Reichtum und die Vieldeutigkeit der Figurenkonstellationen ist zum eigentlichen Markenzeichen der Inszenierungen von Mariame Clément geworden. Unzählige Ideen belebten schon ihre Deutung von Offenbachs «Schöner Helena» im vergangenen Dezember an der Opéra national du Rhin in Straßburg. Die oft unterschätzte leichte Muse trat da mit Geist und abgründigem Humor auf. In Lausanne wiederum stellten Clément und Hansen Rossinis «Il signor Bruschino» und Puccinis «Gianni Schicchi» kraft kleiner «clins d’œil», Augenblicke, die akkurate visuelle Brücken und Querverbindungen bildeten, nicht bloß nebeneinander, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt wohl keinen zweiten Komponisten der neueren Musikgeschichte, der so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wird wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die ambitionierten «Königskinder» konnten an diesen Erfolg auch nicht annähernd anknüpfen. Und dass Humperdinck daneben noch weitere Märchenstoffe wie...
Che l’oratione sia padrona dell’armonia e non serva» – diese Forderung Claudio Monteverdis nach Sinnvermittlung stand als das erste Gebot des Gesangs am Beginn der Oper. Die Forderung ist von vielen Komponisten aufgenommen und paraphrasiert worden. Nach bitteren Theatererfahrungen mit sinnlos übersetzten oder nach Sängerlaune entstellten Texten schrieb Richard...
Der Bayreuther «Ring» von 1955, dessen Teilveröffentlichung durch das britische Label Testament im vergangenen Sommer eine Sensation auf dem bewegten Histo-Markt war, liegt nun komplett vor. «Das Rheingold» und «Götterdämmerung» bestätigen und vertiefen die damaligen Eindrücke (vgl. OW 9-10/2006). Eine Aufnahme von seltener Geschlossenheit und auch in...
