Auf der Höhe der Zeit
Verschwörungstheorien sind en vogue – sie können, wenn’s schlimm kommt, auch Referenden und Wahlen entscheiden. «Die Verleumdung ist schnell, die Wahrheit langsam», erkannte schon Voltaire. Ob der musikhistorische Rufmord an Antonio Salieri Mitschuld daran trägt, dass dessen Œuvre so lange in den dunklen Gewässern des Vergessens dümpelte, sei dahingestellt.
Doch selbst René Jacobs, Spiritus Rector der Aufführung von Salieris «Falstaff» am Theater an der Wien, gibt zu, dass er bislang vom Werk des Maestro aus Legnano nur wenig kannte, nicht zuletzt, weil die Musikwissenschaft sich kaum mit ihm beschäftigt habe. Dabei war Salieri ein gefeierter Mann auf der Höhe seiner Zeit – vielleicht allzu sehr auf diese fixiert und ohne die Visionen eines Gluck, Haydn, Mozart oder seiner eigenen Schüler Beethoven, Schubert, Liszt. Obwohl er etwa die tradierte Abfolge von Rezitativ und Arie in Frage stellte und größere Szenenzusammenhänge avisierte, was ihn als Zeitgenossen der Zukunft ausweist. Selbst wenn er auch darin ehrfürchtiger Schleppenträger Glucks blieb.
Mit «Falstaff» (1799) und einer konzertanten Aufführung von «Les Horaces» (1786) inszenierte das Theater an der Wien im Oktober quasi ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
Rechts steckt die Dame vom Sicherheitsdienst ihre Nase in den Rucksack eines Studenten. Ein Riesenriechorgan aus Latex. Und links an der Saaltür blitzen von der Schulter des Programmverkäufers goldene Epauletten: Das Einlasspersonal, das die schnatternden Massen durch das baubedingt unübersichtliche Foyer schleust, stimmt schon mal auf Schostakowitschs «Nase» ein.
...
Es waren 20 volle Jahre: 1989 fand erstmals in Salzburg ein Symposion statt, das gemeinsam von der Universität, den Festspielen und der International Salzburg Association getragen wurde. Insgesamt sind es 20 dieser thematisch auf die Festspiele bezogenen Symposien geworden – organisiert und wissenschaftlich geleitet hauptsächlich von dem Mediävisten Ulrich Müller...
Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...
