CD des Monats: Der Barde

Christian Gerhaher bleibt auf seinem ersten Opern-Album nah am Lied

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Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser zur Geltung bringen? Da wäre vor allem die Fähigkeit zu nennen, bei feinsinniger Ausdifferenzierung schier endlose Bögen aufzuspannen.

Selbst wenn eine Phrase endet, bleibt doch fühlbar, dass Gerhaher einen Bogen durch die ganze Arie sorgsam geplant hat. Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, ahnt: auch darüber hinaus. Crescendi entwickeln sich aus einer schwelenden Intensität hinaus und sinken dorthin zurück. Selbst im Forte lässt Gerhaher den Hörer immer spüren, dass das noch nicht alles ist, er nicht alles (preis)gibt; da bleibt immer die Ahnung verborgener Möglichkeiten.

Darin liegt das Geheimnis seiner Präsenz, das verrät gestalterische Intelligenz – eine seltene Gabe. Über technische Perfektion und Klangfarbe scheint er dabei wie selbstverständlich zu verfügen, sie sind letztlich nur Mittel zum Zweck. Er vermittelt ...

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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Wiebke Roloff

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