Jagd aller auf alle

Mozart: Don Giovanni Mainz / Staatstheater

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Don Giovanni»: ein (Komödien-)Tohuwabohu. Aber auch die Jagd aller auf alle. 1789, ein Jahr nach der Wiener Erstaufführung, bricht die Französische Revolution aus, die sich auch in Österreich schon abzeichnete, sogar in Mozarts kompositorische Strukturen einging: Wenn in der Tanzszene im ersten Finale Adels-Menuett, bürgerliche Contredanse und bäuerlicher Ländler gleichzeitig stattfinden, geschieht, was vorher kaum denkbar gewesen wäre: Die soziale Hierarchie löst sich auf.



Die realen Machtverhältnisse historisch im Detail zu rekonstruieren, ist so unmöglich wie letztlich unergiebig. Doch die Folgen der aus dem angeblichen Lot geratenen Gesellschaft verlängernd darzustellen, die Figuren aus der Situation heraus neu auszuleuchten, erweist sich als durchaus produktiv. Tilman Knabe hat für seine Mainzer Inszenierung kräftige Konsequenzen gezogen, indem er das Ganze in ein gegenwärtiges Bürgerkriegs-Szenario überführt, mit einem Amüsier-Hotel als Drehscheibe im doppelten Sinn. Ein arabischer Schriftzug verweist auf asiatisch-afrikanische Konfliktzonen. Wer hier gegen wen kämpft, bleibt offen, waffenfuchtelnde Milizen rasen im Kreis – und die TV-Teams hängen wie Kletten an dem jeweils ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard R. Koch

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