Der Massenmörder als Tenor

Das Theater Osnabrück rollt den Fall Alois Brunner neu auf: ­«Die Bestmannoper» von Alex Nowitz und Ralph Hammerthaler

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Ohne finstere Gesellen wäre der Opern­alltag wohl eine ziemlich fade Angelegenheit. Oft wird es, zumal sängerisch, erst richtig interessant, wenn jemand Rache schwört, den Dolch zückt oder über Leichen geht. Je schlechter die Übeltäter desto besser die Musik, lautet die Faustregel.

Doch was kann die Tonkunst ausrichten, wenn es auf der Bühne um monströse Gestalten der Real­historie geht? Was, wenn sie zum Beispiel einen kaltblütigen Massenmörder ins Rampenlicht rückt und dort als Tenor auftreten lässt? Der in Potsdam lebende Komponist Alex Nowitz (Jahrgang 1968) hat das Undenkbare riskiert und eine ernste, nachtschwarze Revue über den österreichischen NS-Schergen Alois Brunner geschrieben: «Die Bestmannoper». Der Titel spielt auf ein Diktum des Judenverfolgers Adolf Eichmann an, der Brunner seinen «besten Mann» genannt haben soll – einen fanatischen Antisemiten, der durch Europa reiste, um die Transporte in die Vernichtungslager zu organisieren, der nach dem Krieg untertauchte und – von diversen Geheimdiens­ten gedeckt und von der bundesdeutschen Justiz nie ernsthaft behelligt – nach Syrien flüchten konnte.
Nowitz und seinem Librettisten Ralph Hammerthaler war klar, dass einem ...

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Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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