Verbrechen lohnt sich
Der Regisseur Sebastian Baumgarten übermalt Puccinis Triptychon Bild um Bild, doch nicht erst am Ende überzeugen die Klangbilder mehr als alle szenischen De- und Rekonstruktionen. An der Staatsoper Hannover ist Puccinis «Il trittico» vor allem ein Mannschaftssieg. Dieser Dreiteiler ist nach wie vor eine Herausforderung für jedes Ensemble, jeden Chor und jedes Orchester – und wird hier respektheischend gemeistert.
Brian Davis als Binnenschiffer Michele ist in «Il tabarro» tongewordene mörderische Verzweiflung, Kelly God seine lebenssehnsüchtige, stimmglühende Giorgetta und Vincent Wolfsteiner der eigenständige Dritte im Bunde.
Das Nonnendrama «Suor Angelica» demonstriert, wie stark die Damenriege des Ensemble besetzt ist: von Julie-Marie Sundals Äbtissin bis zu Mareike Morrs Lehrmeisterin. Nicht nur in diesem Stück setzt Dirigentin Karen Kamensek auf Zielstrebigkeit, auf Wirkung. Gefühl ja, aber keine Sentimentalität: etwa im Vorspiel zu Angelicas Selbstmord. Die neue Chefin beflügelt das Niedersächsische Staatsorchester. «Gianni Schicchi» bildet – auch musikalisch – die virtuose Burleske. Vom vitalen Stefan Adam in der Titelrolle bis zur Ania Vegry, deren Lauretta kein schmachtendes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Rainer Wagner
Gut 1000 Luftlinienkilometer liegen dazwischen, und was die Aufführungstradition betrifft, da ist die Entfernung gleich gar nicht mehr abzuschätzen. Wagner, das ist für die Bayerische Staatsoper Alltagsgeschäft, für die Oper Sofia der Ausnahmefall. Auch wenn dort seit 2010 pro Saison ein «Ring»-Stück gestemmt wird, so gleicht doch jede dieser Produktionen einer...
Eisig mutet die Musik an, wie gefroren. Mit Nachdruck bohrt sie sich in die Gehörgänge, reibungsreich in der klirrend-angespannten Harmonik, schneidend immer wieder, Verzweiflung und Schönheit in eins setzend, alles andere als geschickt lancierte Dutzendware. Es ist aber auch Musik von einer Empfindungstiefe sondergleichen. «Gelido in ogni vena» heißt die Arie,...
Manchmal werden ja wirklich Dinge beim zweiten Mal präziser, logischer, auch schöner. So ist es jetzt jedenfalls David Alden widerfahren. Der scheint sich neuerlich auf längere Regiesicht mit Händel zu beschäftigen, so wie er es früher in seiner meist hollywoodbunten, quietschigen Inszenierungsreihe an Peter Jonas’ Bayerischer Staatsoper vollführt hat. Nach seiner...
