Ich bin ein Waschbär
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und über den Eindruck, dass Wagner wenig von Frauen versteht
Frau Stundyte, wollen wir über Männer reden?
Sehr gerne. Alles, was Sie wollen.
Gut.
Es fällt auf, dass Sie hauptsächlich Rollen von Frauen singen, die erstens extrem sind, zweitens von Männern verraten oder verkauft werden und drittens häufig am Ende das Zeitliche segnen.
Nun, das ist wohl das Schicksal eines Soprans.
Wie viele Bühnentode sind Sie schon gestorben?
Das weiß ich nicht. Ich habe aber auch die Männer nicht gezählt, die ich auf der Bühne schon geliebt habe.
Aber der Tod ist doch interessanter als die Liebe.
Finden Sie?
Ja. Denn der Tod definiert uns von Anfang an. In dem Moment, wo wir die Erde betreten, sind wir dazu verdammt.
Ja, das stimmt. Die Frage ist nur, ob es interessanter ist, sich damit zu beschäftigen – oder nicht vielleicht doch lieber ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Interview, Seite 38
von Jürgen Otten
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