Singen für die Idee
Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wagner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages stand. Und wie es das Unglück wollte, wurde Elisabeth Höngen, die eigentlich vorgesehene Rollenvertreterin, am Morgen des 11.
August, dem Beginn des zweiten «Ring»-Zyklus, von einer Blinddarmentzündung außer Gefecht gesetzt. Vom Mittag auf den Abend musste Ira Malaniuk einspringen – oder die ganze Vorstellung wäre abgesagt worden. Die pflichtbewusste Sängerin entschloss sich für das Unmögliche: Von Souffleuren und anderen «mildtätigen Einflüsterern» aus der Kulisse heraus betreut und von den Sängerkollegen unauffällig in ihre Positionen und Gänge eingewiesen, stand sie eine Partie durch, die sie nie gelernt, geschweige denn vorher auf der Bühne gesungen hatte, und die Aufführung – der Anfang von Karajans einzigem Bayreuther «Ring» – kam damit, wenn auch mehr schlecht als recht, zu einem immerhin passablen Ende. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünfundfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt...
Während sich in Prokofjews Oper «Die Liebe zu den drei Orangen» das Publikum zu Beginn noch balgt, weil die einen zu Tränen gerührt werden, die anderen nur Tränen lachen wollen, tragen in Francesca Zambellos Inszenierung schnell schwule Opera-Buffs den Sieg davon. Die nützen das Tohuwabohu und stürzen sich mit beglückten Ahs und Ohs ins Vergnügen: Da tänzeln sie...
Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tschekalinski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...
