Nicht gerächt, gerettet
Von der sehnsüchtigen Liebe im fernen Mittelalter, von der Kaija Saariahos erste Oper «L‘Amour de loin» handelt, springt die finnische, in Paris lebende Komponistin mutig in unsere kriegerische Gegenwart, wieder vom Librettisten Amin Maalouf begleitet. Die Liebe spricht hier mit anderen Worten: Im Krieg, hier irgendwo in den balkanischen oder nahöstlichen Krisengebieten, bedeutet Liebe Gewalt, Vergewaltigung, Rache, Tod. Aber bis zum Tod lassen es Komponistin und Textautor nicht kommen.
Dem rachedurstigen unehelichen Sohn der Adriana Mater namens Yonas sinkt beim Anblick des alt gewordenen, blinden Vaters und Vergewaltigers der Mutter die Waffe aus der Hand. Er kann‘s nicht tun, sorry Mom! Diese aber jubelt, weil ihr Sohn ihr Blut in den Adern hat. Er ist ein guter Mensch geworden und für die böse Welt ein glühendes Beispiel dafür, wie man die endlos scheinende Spirale der Gewalt endlich durchbrechen könnte: durch Gutmenschentum.
Wenn es so einfach wäre! Das Libretto liest sich wie eine Story in der «BILD». Maaloufs Feierlichkeit und das gehobene Pathos seiner Bekundungen nähern sich einem Erbauungstraktat. «Mein Leben, das ich einst verloren wähnte, habe ich endlich ...
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Das Debüt ist lange her. Vor sechsundzwanzig Jahren dirigiert Daniel Barenboim den «Tristan» zum ersten Mal: an der Deutschen Oper Berlin, wenig später dann in Bayreuth. Damals waren viele, nicht nur im Orchester, skeptisch. Würde ein weltberühmter Pianist, der zwar das Orchestre de Paris leitete, aber wenig Opernerfahrung hatte, das wirklich hinkriegen?...
Pädagogisch tätig zu sein, ist mir ein unbedingtes Bedürfnis, ein leidenschaftliches Anliegen», sagt Thomas Hampson im Gespräch über den Meisterkurs für Liedgesang, den er beim Heidelberger Frühling abgehalten hat. Tatsächlich wies die Arbeit mit vierzehn Nachwuchssängern den amerikanischen Bariton als berufenen Lehrer aus und bestätigte nachdrücklich das eingangs...
Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von...
