Ohne Sentimentalität
Christian Gerhaher hat in Kanada mit Kent Nagano und dem Orchestre symphonique de Montréal die «Lieder eines fahrenden Gesellen» erstmals in der Orchesterfassung eingespielt, außerdem die «Kindertotenlieder» und «Rückert-Lieder». Die neue CD ist gleich zweimal erschienen. Einmal einzeln, einmal als Teil einer Sammler-Edition mit dreizehn CDs. Die Gerhaher-Box enthält auch die Aufnahme der «Gesellen»-Lieder mit dem Ensemble Hyperion von 2003, in Arnold Schönbergs Bearbeitung für Kammerensemble – eine Gelegenheit zum Vergleich.
Dürften wir nur ein einziges Attribut vergeben, würden wir sagen: Die Interpretation ist pessimistischer geworden. Schon der Einstieg in «Wenn mein Schatz Hochzeit macht» ist verhaltener als auf der früheren Aufnahme, desgleichen der Mittelteil «Blümlein blau!»: In der Kammerversion gönnt Gerhaher dem lyrischen Ich das selige Erleben der Erinnerung, während er es unter Nagano in die Resignation eines Verlassenen eintaucht. Dunkle Melancholie überschattet auch das zweite Lied, «Gieng heut’ Morgen übers Feld», dessen letzte Verse «Nun fängt auch mein Glück wohl an? Nein, nein, das ich mein’, mir nimmer blühen kann!» immer mitschwingen. Der Schluss ist ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Wiebke Roloff
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