Außerordentliche Gaben
«Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding.» Für ihre 2001 erschienenen Lebenserinnerungen wählte Hilde Zadek diesen zentralen Satz der «Rosenkavalier»-Marschallin, ihrer Lieblingspartie, die sie in der ganzen Welt gesungen hat. «Was ist die Zeit, und warum ist sie ein sonderbar’ Ding?», fragt die Sängerin in ihrem Buch und spricht dann von den verschiedenen Phasen ihres Lebens, in dem sich fast das ganze vergangene Jahrhundert spiegelt. Geboren wurde sie, als das Deutsche Reich noch von einem Kaiser regiert wurde, 1917 inmitten des Ersten Weltkriegs.
Kindheit und Jugend fielen zusammen mit den Jahren der Weimarer Republik. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde der jüdischen Familie Zadek rasch bewusst, dass eine neue Zeit begonnen hatte. 1935, sie war gerade 17 Jahre alt, emigrierte Hilde Zadek nach Palästina. Die Familie konnte erst einige Jahre später folgen. Aus dem Mädchen war bereits eine junge Frau geworden, die die oftmals drastischen Herausforderungen, die das Leben ihr zumutete, souverän zu meistern gelernt hatte.
1940 begann für Hilde Zadek wieder ein neuer Lebensabschnitt. In einem Alter, in dem andere junge Künstler ihre Ausbildung bereits ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Thomas Seedorf
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