Auf der Höhe der Zeit
Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von kreativer Originalität: kein Nacherzählen der bekannten Abenteuer, sondern ein punktuelles Herausgreifen einzelner Episoden sowie deren Verschränkung mit der Vita des Autors.
Das Leiden des Cervantes an der Hervorbringung des «Mythos Don Quijote». Das Schicksal des schöpferischen Menschen, der zu Grunde gehen muss, während die von ihm ersonnene Gestalt ewiges Leben erhält.
Das alles eingefasst in eine persönlich geprägte, facettenreiche Tonsprache, die sich bruitistischer Klangballungen ebenso bedient wie verinnerlichter Instrumentalkantilenen. Deren Faktur auf der Höhe der Zeit ist und sich doch auch historischer Anleihen aus der spanischen Renaissancemusik bedient – nicht als Zitate, sondern in ganz eigenständiger, aneignender Verarbeitung. Eine Partitur und ein Werk voller großer, erregender Momente, dazu von eminenter ...
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Rezia, von Piraten geraubt und in ein Serail verkauft, widersteht dem Liebeswerben des Sultans von Kairo. Ali spürt die Geliebte auf. Die Entführung misslingt, doch der aufgeklärte Fürst stellt das Wohl der Untergebenen über seinen Egoismus. Kommt einem bekannt vor. Unter dem Titel «Die Enführung aus dem Serail» versucht die Musikakademie Rheinsberg das Publikum...
Ohne finstere Gesellen wäre der Opernalltag wohl eine ziemlich fade Angelegenheit. Oft wird es, zumal sängerisch, erst richtig interessant, wenn jemand Rache schwört, den Dolch zückt oder über Leichen geht. Je schlechter die Übeltäter desto besser die Musik, lautet die Faustregel. Doch was kann die Tonkunst ausrichten, wenn es auf der Bühne um monströse Gestalten...
