George Enescu Festival
Das Erste, was ins Auge springt: der weit auskragende Baldachin. Wie eine Muschel wölbt er sich über dem Eingangsportal. Ein Rocaille-Dach aus Glas und gusseisernem Rankenwerk, das kühn aus der Fassade wächst. Schmuck und Statussymbol, wie die steinernen Löwen links und rechts der Treppe, die ins Innere führt. Vom Gesims des Mittelrisalits schauen zwei geflügelte Musen ins Weite. Putten, Zierbalkone, Bogenfenster – die Fassade lässt an ein Schloss der Belle Époche denken.
Ein Mix aus Neobarock und Jugendstil, pariserisch in der Anmutung und doch keine Kopie – das ist die Signatur des Bukarester Palatul Cantacuzino, den man heute vor allem mit George Enescu verbindet. Es war die alte, weltläufige Elite, die der Stadt hier, am nördlichen Ende der Calea Victoriei, um die vorletzte Jahrhundertwende ihren Stempel aufdrückte. Geschäftsleute, Adelige, Politiker. Leute wie Gheorghe Grigore Cantacuzino, damals Spitzenmann der Konservativen Partei, zweimal Premier des Königreichs Rumänien, Nachfahre eines walachischen Fürstengeschlechts.
Tempi passati. Spätestens 1945 war es vorbei mit der großbürgerlichen Herrlichkeit. Auf die Militärdiktatur des Generals Ion Antonescu, der offen mit ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Albrecht Thiemann
Wir sind, wohin wir gehören, wenn sich der Vorhang hebt. Im Theatermuseum nämlich. Überrascht blicken wir auf das Arrangement, das wie ein Gemälde von Edgar Degas anmutet: Tänzerinnen in gefrorenen Posen. Die Erinnerung wirft Schatten. Nur der Rauch, der sich links am Portal kringelt, verheißt Leben: Ein Mann, der sich im Laufe des Abends als Procida herausstellt,...
An der Längswand des von Alban Ho Van auf die Bühne der Oper zu Lyon gebauten modern-zeitlosen Refektoriums steht das Motto «Nous avons cru à l’amour de Dieu pour nous» («Wir haben an die Liebe Gottes zu uns geglaubt»): ein Satz wie in Asche liegend, zugleich ein verborgen glühender Text. Er nimmt das Sterben der Alten Priorin vorweg, ihr entsetztes «Dieu nous...
Ein Vokalrezital der etwas anderen Art hat Diana Damrau herausgebracht. Zum einen wird das obligate Begleitinstrument Klavier durch die Harfe ersetzt, was bei den Liedern von Debussy, Fauré und Strauss problemlos, bei Schumann etwas weniger gut funktioniert. Xavier de Maistre, Soloharfenist der Wiener Philharmoniker, erweist sich als hochmusikalischer, überaus...
