George Enescu Festival

Werkstatt, Orchestertreffen, Fenster zur Welt: Was 1958 begann, ist heute das bedeutendste Klassikforum Rumäniens. Doch die Zukunft ist ungewiss

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Das Erste, was ins Auge springt: der weit auskragende Baldachin. Wie eine Muschel wölbt er sich über dem Eingangsportal. Ein Rocaille-Dach aus Glas und gusseisernem Rankenwerk, das kühn aus der Fassade wächst. Schmuck und Statussymbol, wie die steinernen Löwen links und rechts der Treppe, die ins Innere führt. Vom Gesims des Mittelrisalits schauen zwei geflügelte Musen ins Weite. Putten, Zierbalkone, Bogenfenster – die Fassade lässt an ein Schloss der Belle Époche denken.

Ein Mix aus Neobarock und Jugendstil, pariserisch in der Anmutung und doch keine Kopie – das ist die Signatur des Bukarester Palatul Cantacuzino, den man heute vor allem mit George Enescu verbindet. Es war die alte, weltläufige Elite, die der Stadt hier, am nördlichen Ende der Calea Victoriei, um die vorletzte Jahrhundertwende ihren Stempel aufdrückte. Geschäftsleute, Adelige, Politiker. Leute wie Gheorghe Grigore Cantacuzino, damals Spitzenmann der Konservativen Partei, zweimal Premier des Königreichs Rumänien, Nachfahre eines walachischen Fürstengeschlechts.

Tempi passati. Spätestens 1945 war es vorbei mit der großbürgerlichen Herrlichkeit. Auf die Militärdiktatur des Generals Ion Antonescu, der offen mit ...

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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Albrecht Thiemann

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