Liebe und (Unter)Leibeigenschaft
Bei der Uraufführung klang es nach Vorwurf. «Katja Kabanova» sei eine «realistische» Oper, hieß es damals. Sie sei darin gnadenlos und letztlich kunstfremd. Später wurde daraus ein Lob: Janácek, der genaue Beobachter, untrüglich der Wahrheit auf der Spur. Noch später war die Sache mit dem Realismus ein Klischee, das sich durch die Aufführungen zog und nur selten reflektiert wurde. Schlechte «Katja»-Produktionen sehen aus wie «Cavalleria rusticana» (ein Stück übrigens, von dem Janácek begeistert war) mit der falschen Musik. Gute «Katja»-Produktionen schaffen sich Fallhöhe.
Sie reagieren auf den Realismus, der in Motivkürzeln, Sprachmelodik und Kleinbürgersujet gleichermaßen steckt, indem sie ihn als ein Stilmittel unter vielen verstehen. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben das jüngst in Stuttgart versucht (OW 7/2010); ebenso Michael Thalheimer an der Berliner Staatsoper (OW 4/2005). Christoph Marthaler ist auf diese Weise in Salzburg ein großer Wurf gelungen, weil er Hören und Sehen auseinanderdividierte, um beides spannungsvoll neu zusammenzusetzen (OW 9-10/1998).
Auch Andrea Breth, die jetzt (nach Gluck, der «Verkauften Braut», «Carmen» und «Eugen Onegin») ihre erste ...
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Max Schreck hieß sinnigerweise der Schauspieler, der in Murnaus «Nosferatu» von 1922 die nämliche Schauergestalt spielte. 88 Jahre später begegnen wir seinem Klon auf der Bühne der Wiener Staatsoper – in Sven-Eric Bechtolfs Neuinszenierung von Paul Hindemiths Art-and-Crime-Oper «Cardillac», der ersten Premiere unter Direktor Dominique Meyer. Die Nosferatu-Gestalt...
Der Komponist Saverio Mercadante ist auf dem Opernfestival in Wexford schon des Öfteren gewürdigt worden. Nach Aufführungen von «Elisa e Claudio» (1988), «Elena da Feltre» (1997), «Il giuramento» (2002) und «La vestale» (2004) wurde die 59. Spielzeit in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der selten gespielten «Virginia» eröffnet. Mercadante war 56 Jahre alt, als...
Detlev Glanert gehört zu den wichtigsten Opernkomponisten der mittleren Generation. Wie fast alle seine zwölf vorausgegangenen Bühnenwerke beruht auch sein jüngster Einakter «Das Holzschiff» auf einer literarischen Vorlage, dem ersten Teil der Romantrilogie «Fluss ohne Ufer» von Hans Henny Jahnn. Der große Poète-maudit der deutschen Literatur erzählt in dieser...
