Schaugepräge

Massenet: Le Cid Sankt Gallen / Festspiele

Opernwelt - Logo

Man muss sie mögen, die Oper unter freiem Himmel. Tut man das aber, findet man sich ab mit wenig bequemen Sitzgelegenheiten, unfreundlichen Temperaturen und plaudernden Nachbarn. Auch mit dem blechernen Klang des Orchesters, das sich über eine verhältnismäßig bescheidene Verstärkeranlage bemerkbar macht, und dem ebenfalls verstärkten Darsteller, der rechts singt, aber von links klingt. Oper unter freiem Himmel bietet eben anderes, sie spielt zum Beispiel mit der Magie des Ortes – und die ist hoch in Sankt Gallen.

Die Festspiele, welche die Gallusstadt seit einem guten Jahrzehnt zum Ende der Saison und zum Anfang des Sommers ausrichtet, finden ihren zentralen Moment jeweils in einer Opernproduktion vor der mächtigen Fassade der Kathedrale mitten im weiträumigen, von Gebäuden umfriedeten Klosterhof. Was den atmosphärischen Reiz betrifft, kann es Sankt Gallen problemlos mit dem Salzburger «Jedermann», den Bregenzer Festspielen oder der Arena von Verona aufnehmen. Zumal, wenn ein Videokünstler wie Frank Aleu am Werk ist, der die Kathedrale nicht nur einbezieht, sondern ihr mit Hilfe suggestiver Projektionen eine Hauptrolle kreiert. Wann sonst kann man erleben, dass der majestätische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Die Welt als Prosa und Bleiwüste

Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum: Ich träumt’ in seinem Schatten so manchen süßen Traum. Bei Prosa spielt der Zeilenumbruch keine Rolle, bei poetisch gestalteter Sprache ist er entscheidend. Haben Sie die vier Verse mit dem Reim erkannt? Ja sicher, aber Sie kannten Wilhelm Müllers Dichtung, nicht wahr?

In CD-Booklets und Programmheften werden...

Modernes Martyrium

Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung. Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der...

Blaublüter

Ein einziges Mal wird ungalant gezoomt. Das Gesicht von Antje Bitterlich ist fast formatfüllend. Doch die Miene ist entspannt, die Zunge liegt locker im Mund, auch ohne Ton wäre klar: Was für eine herausragende Königin der Nacht! ­Sophie von Österreich als sternflammende Mutter, Franz Joseph I. als Tamino (Jörg Dürmüller), Sisi als Pamina (Susanne Bernhard) und...