«Ich bin ein dramatisch denkender Musiker»

Thomas Hengelbrock über die Belastbarkeit des Jubilars Mozart und das Ende aufführungsästhetischer Grabenkämpfe

Opernwelt - Logo

«Orest» in Berlin, das Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Baden-Baden, «Don Giovanni» in Feldkirch, «Il re pas­tore» bei den Salzburger Festspielen und, und, und: Ist 2006 auch ein «Hengelbrock-Jahr»?
(lacht) Jedes meiner Lebensjahre war bisher ein Hengelbrock-Jahr. Vielleicht ist es einfach durch die Prominenz der Spielstätten ein bisschen mehr ins Bewusstsein gerückt – in Paris geht es ja weiter mit Luc Bondy und «Idomeneo». Aber ich glaube nicht, dass sich prinzi­piell etwas an meiner Arbeit verändert hat.

Dass Mozart dabei immer mehr zum Schwerpunkt wurde, ist sicher kein Zufall.
Das ist beabsichtigt. Auch mein Festival, bei dem ich immer die Themenvorgabe mache, heißt in diesem Jahr etwas provozierend «Amadeus!». Für mich selbst ist dieses Mozart-Jahr eine ungeheure Bereicherung: Ich habe mich schon immer mit Mozart beschäftigt, aber nie in dieser Intensität und Konzentration.

Sehen Sie neben der Bereicherung auch Risiken, die sich mit einem Jubiläumsjahr verbinden? Stichwort: Vermarktung...
Mozart wird dagegen total resistent sein. Die Rezeptionshaltung hat sich ja gewandelt. War es in den siebziger und achtziger Jahren eher noch der «Mozartkugel»-Mozart, hat es seit einigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: Don Carlo

Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der gro­ßen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen...

Sinn fürs Machbare

West-Berlin, Akademie der Künste, 29. Januar 1981. Eine bis dahin noch nie in Erscheinung getretene Gruppe um den Regisseur Henry Akina zeigt Poulencs «Voix humaine», Ned Rorems «Poems of Love and Rain» und Janáceks «Tagebuch eines Verschollenen». Der Spiritus Rector inszeniert, die musikalische Leitung hat Ivan Törzs. Drei Novitäten auf dem Ber­liner Spielplan....

Händel: Ariodante

Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ario­dante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren...