Unanswered question

Schubert: Lazarus Wien / Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Und. Diese drei Buchstaben könnten die Türe zur Welt öffnen. Doch Franz Schubert wirft Letztere in seinem «Lazarus»-Oratorium mit diesem Wort vor unserer Nase zu. Schluss. Aus. Was dann gekommen wäre, können wir bloß erraten. Im Evangelium des Johannes, Kapitel 11, Verse 43-44, heißt es: «Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Angesicht verhüllt mit einem Schweißtuch ...» Dazu vielleicht ein «Hallelujah» wie in Händels «Messiah»? Kaum.

Schuberts Partitur, die sich mit ihrer quasi durchkomponierten Nummernfolge als Zeitgenossin der Zukunft beträgt, hört abrupt und kommentarlos auf. Warum? Wir wissen es nicht. Gibt es vielleicht einen Rest, der irgendwo in einem Winkel verstaubt und der Entdeckung harrt? Oder darf ein Genie einfach die Lust verlieren?

Vielleicht glitt ihm die Musik auch am Erlebten ab. Hatte Schubert, der seit dem Trauma des frühen Ablebens seiner Mutter todessüchtigen Weltfluchttendenzen zugeneigt war, die Beschäftigung mit dem Ende und den Spekulationen über das Danach dann doch allzu depressiv gemacht? Mochte er an das Wunder der Auferstehung nicht glauben (in einigen seiner Messen ließ er ja «et exspecto ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Angeschnitten

Ein Torso. Die Geschichte eingedampft. Der Mythos gerupft. Zugespitzt, radikal kenntlich gemacht, sagen die Autoren. Für einen wie Ödipus kann es kein Erbarmen geben, keine Heilung und keine Himmelfahrt. Für einen, der, von verborgenen Mächten getrieben, den Vater tötet und die Mutter ehelicht, kann es nur die Erkenntnis geben, dass die Welt finster ist und der...

Kein Fünkchen buffa

Auf die Knie gefallen ist er dann doch nicht. Das machen ja Pfauen auch nicht. Aber immer wieder müsse er Dank sagen für etwas, das er so noch nie im Opernhaus gesehen habe, preist Ioan Holender im Bonus-Track, es ist eine seiner «kulTour»-Sendungen auf Servus-TV. Die drehte sich um Michael Haneke und ist auf dieser Doppel-DVD Zugabe: ein bisschen Making-of, ein...

Art Nouveau: Satyrspiele

Dass der bärtige Sarastro in dieser Produktion von Mozarts «Zauberflöte» den Betrachter an Gustav Klimt erinnert, war von Regisseur András Almási-Tóth (der im Übrigen mit einer sehr individuellen Fassung dieser Oper, mit zahlreichen überraschenden Umstellungen, aufwartete) vielleicht nicht beabsichtigt, ist aber doch kein Zufall. Denn zum einen geriert der...