Ein Prozess
Sie steht ganz oben auf der Karten-Fahndungsliste der Bayreuth-Pilger: Barrie Koskys Inszenierung der «Meistersinger von Nürnberg» avanciert schon in ihrem zweiten Jahr zum Publikumsfavoriten; nach Stefan Herheims legendärem «Parsifal» bildet sie das zweite solitäre Regieereignis der Richard-Wagner-Festspiele im 21. Jahrhundert.
Weil das schon im vergangenen Sommer zu erahnen war, vor allem aber, weil kein DVD-Dokument des Herheim-«Parsifal» existiert, wollte die Deutsche Grammophon vermutlich auf Nummer sicher gehen – und ließ die «Meistersinger» aufzeichnen – das Ergebnis ist soeben auf DVD und Blu-ray erschienen. Eine gute Tat, indes: vielleicht noch zu früh. Denn Kosky macht es sich nicht einfach. Nachdem er, der australische Jude, lange gezögert hatte, ob er über dieses kontaminierte Werk an kontaminiertem Ort künstlerisch reflektieren solle, sieht er diese Reflexion nun auch als Prozess. Ganz im Sinne des Bayreuther Werkstattgedankens.
Leerstellen in Koskys «Meistersinger»-Erzählfluss waren im Vorjahr durchaus zu identifizieren. Ein Beispiel aus dem zweiten Aufzug. Der Kunstrasen, der sich durch den zum Ende des ersten Akts die Bühne ausfüllenden Nürnberger ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 17
von Alexander Dick
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«Alles was du bist, bist du nur durch Verträge.» Sich an diese Warnung, von Fasolt an Wotan gerichtet, vor dem Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit Künstlern zu erinnern, ist ratsam – gerade bei Sängern, bei denen die Nornen-Frage zu stellen ist: «Weißt du, wie das wird?» Vor sieben Jahren kündigte die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Aufnahme der...
Das ging schnell. Im Oktober 2017 erlebte Aribert Reimanns «L’Invisible» seine Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin, ein halbes Jahr später lag das Stück bei Oehms auf CD vor. Ein Zusammenschnitt von drei Vorstellungen samt Generalprobe in Zusammenarbeit mit dem rbb. Das Ensemble des Staatstheaters Braunschweig, wo Operndirektorin Isabel Ostermann das Stück...
