Zirkus mit Sonnenkönig

Amsterdam im Cavalli-Fieber: Ivor Bolton und David Alden entdecken an der Nederlandse Opera «Ercole amante»

Opernwelt - Logo

Es war der Auftrag seines Lebens. In Frankreich wollte Louis XIV. heiraten – aus politischen Gründen. Und er, Francesco Cavalli, Komponist und Impresario aus Venedig, sollte die Musik für das Hochzeitsfest schreiben. Die Strippen zog Kardinal Jules Mazarin, jener von Italien nach Paris ausgewanderte Diplomat und Gottesmann, der damals, Mitte des 17. Jahrhunderts, am Hof von Versailles die Macht ausübte. Mazarin hatte auch die Braut für den 22-jährigen Roi Soleil ausgewählt – Maria Theresia von Spanien. Die Vermählung mit der Tochter König Philipps IV.

, so das Kalkül, würde endlich Ruhe an der Pyrenäengrenze schaffen und die Grande Nation endgültig zur Nummer eins im absolutistisch regierten Europa machen. Und das sollte natürlich mit Prunk und Gloria gefeiert werden. Kein Wunder, dass Cavalli sofort die Arbeit aufnahm.
Als das junge Paar am 26. August 1660 vor den Altar und schließlich vor das Volk trat, um den Jubel der Untertanen entgegenzunehmen, schauten rund 100 000 Menschen dem Umzug zu, der durch eigens errichtete Tore und Triumphbögen führte, auf denen Figuren aus der antiken Mythologie vom Ruhm des Sonnenkönigs kündeten. Als Herkules mit dem Ölzweig ward Ludwig da ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vivaldi im Winter

Der kaiserliche Statthalter in Mantua, Landgraf Philipp von Hessen, kündigte zu Weihnachten 1718 seine Vermählung mit einer fürstlichen Witwe aus der benachbarten Toskana an. Sein Kapellmeister Antonio Vivaldi musste rasch ein repräsentatives Werk zu Wege bringen. Angeblich in nur fünf Tagen legte er «Tito Manlio» vor. Aus der Hochzeit des «Principe Darmstadt»...

Vorhang auf für die Generation iPod

Gebt uns die ‹Aida› zurück!!» «Ach, Fossilien seid ihr!» – laut und leidenschaftlich ging es zu bei der Spielzeiteröffnung der römischen Oper am 20. Januar 2009 mit Giuseppe Verdis «Aida» in der Regie von Robert Wilson und unter der musikalischen Leitung von David Oren. Seit Jahren waren in dem 1880 eröffneten Prachtbau an der Piazza Beniamino Gigli die Emotionen...

Mit drei Teufeln im Bunde

Zum Haydn-Jahr zwar keine richtige Haydn-Oper, dafür aber ein inszeniertes Oratorium: «Die Schöpfung», grandioses Musikwerk über die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, vom «Chaos» des Beginns bis zum Eintritt des ersten Menschenpaares ins Paradies, erfuhr an der Vlaamse Opera zusätzlich zur konzertanten Aufführung eine gleichsam «teuflische» Komponente. Noch...