Bräutigam am Abgrund
Nein, nicht auf die Autobahn. Wir entscheiden uns wieder für die Bundesstraße, gondeln lieber wieder mit 60 durch den Schwarzwald, der einen auf die Unaufgeregtheit, die Beschaulichkeit von «Rossini in Wildbad» einstimmt. Dort ist alles beim Alten. Rauschte nicht die Enz mitten durch Park und Ort, herrschte am helllichten Mittag fast schon gespenstische Friedhofsstille. Der extreme Gegensatz zu Salzburgs Getreidegasse: so gut wie kein Mensch unterwegs. Käme man nicht des Festivals wegen – man bemerkte es kaum.
Nichts vom Glamour, von der Selbstinszenierung der Schickeria, vom Promi-Auflauf so mancher Großfestspiele, sondern Konzentration auf die Sache. Und die Sache ist Gioachino Rossini, ist auch seine Zeit, sein Umfeld. Darüber kann man im Nordschwarzwald, wenn man nachher beim Wein etwas indiskret die Ohren spitzt, so manches kenntnisreiche Gespräch aufschnappen.
Die «große» Premiere dieser anderthalb Juliwochen galt der letzten der wichtigen Rossini'schen Musikkomödien, die hier noch fehlte. Intendant Jochen Schönleber nahm sich «Il turco in Italia» vor, die beinahe schlimm verlaufende Geschichte der jungen, kapriziösen Fiorilla (einst eine Callas-Partie), die es, ihres ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Heinz W. Koch
Auch die Tiroler Festspiele in Erl haben in diesem Jahr mit «Tannhäuser» eröffnet – selbstbewusster Fingerzeig Richtung Bayreuth? Vielleicht nur Koinzidenz ohne Hintergedanken, trotzdem eine verblüffende Parallele. Natürlich hinkt der Vergleich, in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist das Passionsspielhaus in Erl schon von der Klangarchitektur ein kompletter...
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...
Herr Reuter, bei Ihnen könnte sogar ein kleines Kind erraten, dass Sie Sänger sind. Sie haben die klassische Opernsänger-Sprechstimme
Ich weiß (lacht). Ich habe in Wirklichkeit keine Sprechstimme, sondern spreche mit meiner Opernstimme. Es hat sich irgendwie so entwickelt. Die Sache ist nur die: Ich versuche auch umgekehrt, mit meiner Sprechstimme zu singen. Ich...
