Mozart, der Progressive
Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis kommen bei der Dresdner Staatskapelle bislang nur sporadisch zum Zuge. Einzelne der immerhin sechs Mozart-Produktionen im Repertoire der Semperoper sind daher trotz der viel gerühmten Spielkultur der Staatskapelle von durchaus behäbiger Konventionalität. Gemessen daran bietet der neue Dresdner «Figaro» manche Überraschung, ohne die Dresdner Tradition der Klanggestaltung vollends zu revolutionieren. Unter Massimo Zanetti wird in kleiner Besetzung und mit erfrischender Verve aufgetrumpft.
Überzeugend betont Zanetti die unkonventionellen Momente der Partitur, vor allem ihre plötzlichen Stimmungswechsel und emotionalen Schieflagen. Exzellent die Continuo-Gruppe, die mit einem ausgefeilten, von krassen Tempowechseln bestimmten Konzept gerade die Rezitative in spannender Weise zwischen Buffa und Seria oszillieren lässt. Manko einer durchweg überzeugenden Orchesterleistung sind verschiedene Arien, in denen die Sänger etwas zugedeckt werden.
Die in diesem Stück so wichtigen Ensembleszenen sind von bestechender Homogenität. Imponierend zwei Mitglieder des Dresdner Hauses: Markus Marquardt, der den Figaro mit souveräner Eleganz singt und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es klingt alles so überlegen, wohldisponiert und kenntnisreich. Kein inszenierter Event, sondern eine Geschichte mit Geschichte, eine in der alles zusammenpasst. Lange hat sich Edita Gruberova Zeit gelassen für die Partie der Norma. Hat sich in konzertanten Aufführungen an die schwerste aller Bellini-Rollen herangetastet, erst in Tokio, dann in Wien und...
So etwas kann sich nur ein Sammlerhirn ausdenken – und alle, die ähnlich ticken, dürfen sich nun bei ihm bedanken. Andreas Ommer besitzt ein solches Hirn. Er hat mehr als fünfundzwanzig Jahre lang nach Opernaufnahmen gefahndet, um sie karteikartentauglich zu machen. Heute nutzt man für solche Projekte bekanntlich andere Medien, daher liegen Ommers...
Es könnte ein Raum sein, den Anna Viebrock in die Welt gesetzt hat. Ein Wartesaal, womöglich ein schlossähnliches Gebäude. Ein milchiges Fenster. Fotos einer schönen Frau. Und jede Menge Stühle. Links ein Hügel aus dunkelbraunem Sand. Aber davor die Todesgrube, gebuddelt im göttlichen Auftrag, bestimmt für Eurydike. Mittendrin in dieser Stätte des Todes, die...
