Szenen einer Ehe
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt der Ruf von Chrysothemis: «Orest! Orest!». Unheimlich die Stille danach. Es ist, nicht nur wegen dieser finalen Sequenz, eine ans Mark rührende Aufführung.
Punkt für Punkt hat Andrea Moses den mythischen Stoff ins Jetzt übertragen. In die Zeit der medialen Suprawirklichkeit also, die häufig kaum noch korreliert mit der Wirklichkeit, wie sie das Leben formt. Wie sagt Klytämnestra: «Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.» Eben darum geht es der jungen Regisseurin. Ihre «Elektra», mit dem Bühnen- und Kostümbildner Christian Wiehle ersonnen, spiegelt eine politische Erinnerungskultur, die dem Kultus das Bild des Kitsches beifügt – und jenen damit depraviert. Was wir sehen, ist die Fälschung unserer Welt. Das Faszinierende: Wir hören es auch. Scharf geschliffen und zugleich lyrisch sanft klingt diese «Elektra» ...
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Was verbindet Othmar Schoecks «Notturno» aus dem Jahr 1933 und Heinrich Sutermeisters einaktige Funkoper «Die schwarze Spinne» von 1936 miteinander? Die zeitliche Nähe ihrer Entstehung oder die «schweizerische» Herkunft allein kann es ja wohl nicht sein.
Schoecks Gesänge für Bariton und Streicher beschwören, wie fast alle Werke dieses spätgeborenen Romantikers, in...
Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch...
Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie...
