Gewieft, gescholten, geliebt
Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft salomonische) Lösung verlegen. Dieselbe Waltraud Meier trennte sich zehn Jahre später im Streit von Bayreuth, und sie blieb nicht die Einzige. Da war Wolfgang Wagner zwar immer noch da, aber regiert wurde von seiner Frau Gudrun.
Das Festspielhaus wirkte nun wie ein Bunker, man schaute sich nicht zuerst ins Gesicht, sondern auf den Hausausweis. Und was der Alte früher in fünf Minuten im Stiegenhaus klärte, das lief jetzt wochenlang über Anwälte. Vergessen wir diese Zeit. Wolfgang Wagner hat erreicht, was er wollte: Seine Töchter, die Halbschwestern Katharina und Eva, führen seit zwei Jahren die Festspiele. Möglich wurde dieses Modell erst, nachdem Gudrun Wagner 2007 überraschend gestorben war. Und so kam es 2008 noch zum letzten offiziellen Auftritt des alten Herrn. Lange hatte man ihn nicht gesehen. Viel wurde über seinen ...
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Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and...
Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene...
Herr Fischer-Dieskau, vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein Interview mit Ihnen gelesen, das einen resignativen Grundton hatte: Sie stellten darin vieles in Frage, auch den Sinn Ihres künstlerischen Schaffens. Ich war etwas erschrocken und dachte: Hat er das wirklich gemeint, oder hat man es ihm in den Mund gelegt?
Nein, das war so gemeint, und ich stehe auch...
