Ölkrise
Klassisch und nahezu dogmatisch argumentiert: Maler haben auf der Bühne nichts zu suchen. Malerei ist zweidimensionale Raumkunst, Theater dreidimensionale Zeitkunst. Beides zusammengespannt, verträgt sich schlecht. Das letzte Wort in dieser Sache?
In der Praxis drängten sich immer wieder andere Gesichtspunkte als Misslichkeiten vor.
Ob Oskar Kokoschkas Entwürfe für die «Zauberflöte» (1955), Jörg Immendorfs Arbeiten für «The Rake’s Progress» (1994), William Kentridges Animationen für «Wozzeck» (2017), um drei Beispiele aus Salzburg zu nennen, oder kürzlich Georg Baselitz’ Möblierung des Münchner «Parsifal»: Stets stellte sich eine individuelle Bildwelt, eine zur Manier geronnene persönliche Handschrift vor das Stück, lenkte die Aufmerksamkeit von ihm ab. Möglicherweise sahen sich diese Maler zu besonders forcierter Imagepflege aufgerufen, als werde von ihnen in der Oper eine Extraportion Eitelkeit verlangt. Anders, wenn auch nicht restlos befriedigend, lag der Fall, wenn Regisseure ihrem Tun nicht mehr ganz zu trauen schienen und sich bildstarke, mitunter dominierende Bühnenbildpartner suchten. Bei Alfred Kirchners Bayreuther «Ring» mit der Künstlerin rosalie (1994) oder in ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Bilanz, Seite 134
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wer hätte das gedacht? Dass einer, um den es zeitweilig schon etwas still geworden war, der mit dem Theaterbetrieb, mit der Theaterkunst haderte, wieder zu den stärksten, markantesten Stimmen im Konzert der zeitgenössischen Opernregie zählen würde? Im Januar ist Peter Konwitschny 73 Jahre alt geworden, doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren. Im Gegenteil – mit...
Die Ersten waren sie nicht an der Deutschen Oper Berlin. Das «Wunder der Heliane», Erich Wolfgang Korngolds lange geschmähtes opus maximum, wieder ganz groß herauszubringen – dieser Aufgabe hatte sich das kleine Pfalztheater in Kaiserslautern bereits 2010 gestellt. Auch der Opera Vlaanderen war das überbordende Werk unlängst einen szenischen Wiederbelebungsversuch...
Als er vor sieben Jahren zum ersten Mal «Sänger des Jahres» wurde, gehörte er noch zum Ensemble der Frankfurter Oper. Es war die Zeit seiner Debüts an der Mailänder Scala und der Berliner Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen und in Glyndebourne. Dort gastierte Johannes Martin Kränzle seinerzeit mit jener Partie, die ihn 2014 an die Met, 2017 nach Covent...
