Hinterm Deich
Im Grunde erzählt sie eine traurige Geschichte, diese Komödie oder, wie der Untertitel verheißt, dieses Ballet bouffon. Da wird einem hilflosen Wesen übel mitgespielt, und alle Welt lacht sich kaputt. Uraufgeführt wurde das Werk 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des Dauphins Louis mit der spanischen Infantin Maria Theresia, die – was im Blick auf den Inhalt des Stücks einen pikanten Beigeschmack enthält – nicht unbedingt als Schönheit galt.
Auch die Sumpfnymphe Platée nämlich, die gebeutelte Titelheldin in Rameaus Komödie, ist laut Libretto ein wenig attraktives Individuum und wird gerade deshalb zum idealen Angelpunkt für den Spott der Götter. Sie verkuppeln sie zum Schein mit Jupiter und lassen dessen Gattin Juno in dieses Idyll hineinplatzen. Die wird dadurch, für den Moment jedenfalls, von ihrer (wie die Mythologie zu berichten weiß, nicht grundlosen) Eifersucht auf den göttlichen Ehemann geheilt. Die Himmlischen hatten ihren Spaß, Platée bleibt, um ihre schönsten Hoffnungen betrogen, vernichtet zurück.
Soll der Zuschauer jetzt lachen oder weinen? In Bremerhaven wird Hinrich Horstkotte, für Regie und die herrlich einfallsreichen Kostüme zuständig, beiden Seiten der in ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
Doppelte Premiere in Wien: Noch nie war Leos Janáceks «Vec Makropulos» an der Staatsoper zu sehen – nur an der Volksoper hatte Christine Mielitz die Oper 1993 in deutscher Sprache inszeniert. Sein Hausdebüt feierte auch Peter Stein, von dem bislang nur die Übernahme von Verdis «Simon Boccanegra», den er für die Salzburger Osterfestspiele inszenierte hatte, an der...
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal...
