Zur Kenntlichkeit entstellt
Mit «Ich komme, grünende Brüder» ist es nichts. Kein Mädchen, das sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Daphne, schuldig am Tod ihres Jugendgespielen Leukippos, bekommt Handschellen angelegt. «Abführen!»: So hätte der Befehl an den Uniformierten am Ende lauten können. Leer die Szene. Die Musik allein spricht das Schlusswort. Sie flutet den Raum. In das Fis-Dur-Wispern des Orchesters mischen sich Richard Strauss’ Vokalisen. Sie klingen von irgendwoher herein.
Die beiden großen musikalischen Vorzüge des Abends verabschieden uns: das Instrumentarium und die Interpretin der Titelrolle. Hans Drewanz steht am Pult des Sinfonieorchesters Basel. Und wie der unterdessen 85-Jährige den spezifischen Strauss-Ton entfaltet, das ist vom Holzbläser-Idyll des Beginns bis in den gleichsam «ewigen» orchestralen Strom des Ausklangs von denkwürdigem Format. Keine Spur vom womöglich erwarteten altersweise-serenen Laufenlassen der Musik. Nein, Drewanz reizt aktiv den scheinbar immerwährenden Strauss’schen Melos-Strom aus. Er spreizt das Bild der Partitur mit einer Deutlichkeit, einer Plastizität sondergleichen auf – und das mit geradezu ultimativer Dezenz: ein ungeheuer leicht und luftig anmutendes ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Heinz W. Koch
Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen –...
Niccolò Jommelli mag ein dicklicher Plumpsack gewesen sein, zudem streitbar und unermüdlich schnell beim Komponieren, doch er war ohne Zweifel auch einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Sechzehn Jahre, von 1754 bis 1769, belieferte er den württembergischen Hof von Carl Eugen mit neuen Opern. Dass Leopold Mozart mit seinem Filius an diesem Hof nicht so...
Jubilare
Fiorenza Cossotto studierte am Konservatorium von Turin und setzte ihre Ausbildung an der Mailänder Scala fort, bevor sie dort 1957 bei der Uraufführung von Poulencs «Dialogues des Carmélites» in der Partie der Sœur Mathilde debütierte. Ein Jahr später folgte ihr internationales Operndebüt als Giovanna Seymour in Donizettis «Anna Bolena» beim Wexford...
