Monteverdi authentisch?
Die Aufführung von Monteverdis «Orfeo», die unter Paul Hindemiths Leitung am 3. Juni 1954 in Wien stattfand und deren Mitschnitt nun erstmals auf Tonträgern zugänglich ist, hatte für den damals 24-jährigen Nikolaus Harnoncourt, der im Orchester saß, «die Wirkung eines Blitzschlags».
Er war schon damals dabei, ein eigenes Ensemble für Alte Musik aufzubauen (den späteren Concentus Musicus Wien) und konnte dem Dirigenten bei seinem «Versuch einer Rekonstruktion der ersten Aufführung» nicht nur mit Originalinstrumenten aus seiner eigenen Sammlung, sondern auch mit der Vermittlung spezialisierter Musiker aus dem Kreis seiner Kollegen bei den Wiener Symphonikern behilflich sein.
Historische Aufführungspraxis ist heute bei Alter Musik eine Selbstverständlichkeit, damals hatte sie etwas geradezu Exotisches. Monteverdi wurde zwar gespielt, aber grundsätzlich in Bearbeitungen, die den Hörgewohnheiten eines am klassischen und romantischen Repertoire orientierten Publikums entgegenkamen. Und die äußerst rudimentäre Form, in der der Komponist seine Partituren hinterlassen hat, ließ dem nachschöpferischen Ehrgeiz der Bearbeiter großen Spielraum. In Italien wurden die Fassungen von Ottorino ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Musiktheater der Weimarer Republik ist noch immer für Überraschungen gut. Ulm hat jetzt «Sancta Susanna» ausgegraben, jenes 1921 entstandene Stück des jungen Paul Hindemith, das die beiden zuvor komponierten Einakter «Mörder, Hoffnung der Frauen» und «Das Nusch-Nuschi» zum Triptychon ergänzen und abrunden sollte. Doch das auf ein Dramolett des...
Frau Baumgartner, Sie verkörpern oft Rollen, die normalerweise als ältere Frauen dargestellt werden, die Gaea in Strauss’ «Daphne» zum Beispiel oder die Amme in der «Frau ohne Schatten». Ist das nicht ein seltsames Gefühl, plötzlich so zu altern?
Wenn ich in der Maske sitze, beängstigt mich manchmal dieser Prozess. Das ist, als ob ich im Spiegel mich selbst in...
Als Zemlinsky zu Beginn seines amerikanischen Exils im Januar 1939 von einem Reporter der «New York Times» auf seine neueste Oper angesprochen wurde, antwortete er zögerlich: «It is ultra modern». Das 1935 bis 1938 im Particell entworfene, aber nur zu Teilen instrumentierte Werk – es hätte sein opus summum werden sollen – blieb unvollendet. Anthony Beaumont hat die...
