Wenn die Puppen tanzen
Bei polyglotten Opernautoren wird die «Originalsprache» ungeachtet aller Übertitelungs-Fertigkeiten doch zum Problem. Zum Beispiel bei den frühen, außerhalb Russlands gestarteten Opernvorhaben Sergej Prokofjews wie dem «Feurigen Engel», der «Verlobung im Kloster» oder der «Liebe zu drei Orangen». Dieses buffoneske Märchen wurde 1921 in Chicago uraufgeführt, ist aber unverkennbar geprägt von der Theaterhandschrift des russischen Mit-Librettisten W. E. Meyerhold. Und es lebt und webt in der Sphäre des Commedia dell’arte-Erben Carlo Gozzi.
Italienisch, russisch, englisch? Das Nationaltheater zerhieb den gordischen Knoten der Sprachbedenklichkeiten und präsentierte das Werk auf Deutsch in einer (in erster Linie von der russischen Fassung inspirierten) Neuübersetzung von Werner Hintze, die dem Stück ein Optimum an Wortwitz und Skurrilität zuzumessen trachtet. Prokofjews international populäre Oper gehört wohl doch zu jenen Werken (wie «Zauberflöte» oder «Verkaufte Braut»), die um der prompten Wahrnehmung willen an die Verwendung der jeweiligen Landessprache appellieren.
Ganz elementar vom vorsprachlichen Spontan-Laut zehrt aber die berühmteste Szene der «Orangen»-Oper, wenn der lange in ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Glaubt man seinem Biografen Francesco Caffi, war Ferdinando Bertoni (1725–1813) ein sanftmütiger Mann. Angesichts der vollmundigen Ankündigung – «die erste vollständige, historisch-kritische Aufführung des Werkes in neuerer Zeit» –, mit der das Teatro Comunale im oberitalienischen Ferrara Bertonis Opern-Dreiakter «Orfeo» von 1776 bewarb, hätte der Komponist...
Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm...
Jubilare
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