Subtile Balance
Ein «Traum» steht am Anfang. Eine Sopranstimme sucht Halt. Silben, Satzfetzen: «ha / be / dir / dir / ge- / sagt / du». Bruchstücke einer (erinnerten) Geschichte? Das Du will fort. Von ihr? Einer Frau namens Katja, die hier vielleicht einen Schlussstrich zieht? Erst dieses «fort» bleibt stehen, eine gefühlte Ewigkeit lang von Sarah Maria Sun gehalten, cantabile, bis das Ensemble Modern den schwebenden Vokal mit anschwellenden Klangwogen überspült. Wasser nennt Arnulf Herrmann sein einstündiges Stück auf einen Text von Nico Bleutge.
Der Titel ist nicht nur Metapher, sondern auch Formprogramm. Alles ist hier im Fluss – Melodien und Metren, Harmonien und Stilebenen, Bewusstes und Unbewusstes, Sinn und Bedeutung. Erzählt da ein Mann, Robert, von Ungeheuern, die sein Kopf gebiert? Ein Traumatisierter, ein Nachtwandler, von Ängsten und Fantasien getrieben wie Wellen vom Wind? Bläsertrunken, legato, in einer Art stile recitativo hangelt sich der Bariton alias Robert (Boris Grappe), ein Reisender, aus dem Schlaf. Und hört Menschen im Hotel. Ein Kind singt ein «einfaches Lied», die Streicher zupfen etwas dazu, die Klarinette wärmt ihm das Gemüt, der Klavierspieler greift in die Saiten. Ein ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
Vielleicht ließ Vincent Boussard, Regisseur von Händels Radamisto im Theater an der Wien, seine Seele im Sigmund-Freud-Museum in der Berggasse baumeln. Auf jeden Fall spielt seine Inszenierung mit dem Phänomen von Ich und Über-Ich sowie mit der Welt der Träume. Im kargen Bühnenraum von Vincent Lemaire schwänzeln unter anderem in allen Größen projizierte Zierfische...
Weit über dreihundert Titel umfasst die Liste der aktuellen Neuheiten auf dem Gebiet des Klassik-Musikfilms, die im Lauf des vergangenen Jahres produziert wurden oder kurz vor ihrer Fertigstellung stehen. Zu sehen waren sie nun bei den Screenings des Internationalen Musikzentrums Wien im Rahmen der Midem in Cannes. Vieles davon wird in den kommenden Monaten und...
Frau Sonne sendet lichte Strahlen», singen die Rheintöchter und hüpfen auf ihren Trampolinen. «Frau Sonne, sende uns den Helden, der das Gold uns wiedergebe.» Zwar ist es draußen trübe an diesem Januar-Vormittag, doch der Held steht bereit. Siegfried steigt mit Schwert, Ring und Horn auf ein Brettergerüst: «Ein Albe führte mich irr.» Klavierprobe zu Götterdämmerung...
